Cover: Clap! Clap! - Tayi Bebba

Es ist immer auch ein abgekartetes Spiel mit Stereotypen, Klischees und Sehnsüchten, wenn Exotisches als Eskapismus verkauft wird – der sinnliche Orient, das rasselnde Asien, das wilde Afrika. So muss man dem Italiener Cristiano Crisci aka Digi G’Alessio schon eine Prise Extra-Humor zugestehen, um seine neuesten Entwürfe unter dem Clap!-Clap!-Alias nicht als plumpe Anbiederung an derlei Kontexte misszuinterpretieren. Wobei seine Songs weiter von einer ironischen Zitation kaum entfernt sein könnten, wie sich auf „Tayi Bebba“ schnell offenbart.

Es ist Liebe. Liebe zur stampfenden Perkussion, zu Tribal-Auswüchsen und hell-dunklem Singsang. Musikkulturen südlich der Sahara sind seine Gedankenheimat, die er zunächst dekonstruiert und dann sorgsam wieder zusammensetzt. Samples vergangener Zeiten findet er auf Kassetten vor allem aus West- und Zentralafrika, Field Recordings in den digitalen Fundgruben der weltweiten Vernetztheit.

So kreiert er ebenso faszinierende wie tanzbare musikalische Collagen, die er sogar auf einer eigens imaginierten Landkarte (liegt der Platte bei) verortet, welche die Narration der Platte akribisch erläutert: Das fiktive tropische Ökosystem wird von den Taiyyans bewohnt, die die Mondanziehungskraft durch Gesänge und Schlagwerk am Leben erhalten. Es ist der Kampf um Ganzheitlichkeit und Lebensfähigkeit, um den hier auf siebzehn brandheißen Tracks globaler Tanzmusik ein lässiger Bogen gespannt wird, der von Afro-House über Jungle bis zu Trap und jede Menge aufputschendem Footwork reicht. Die Vorabsingle „The Rainstick Fable“ ist vielleicht der markanteste Beweis für die Nahtlosigkeit seiner Verbindungen afrikanischer Traditionsmusik und Bassmusik westlich-urbaner Tanztempel, die Clap! Clap! zum globalen Symbol des Miteinanders erhöht.

„Tayi Bebba“ steckt dabei voller Experimente und bei aller Geschlossenheit voller Abwechslung und treibender Energie, sodass man nach einem Durchgang schnell seine Birne lüften muss, um die angestauten Wallungen wieder auf Normaltemperatur zu regeln. Kraftvoll prescht der Elefanten-Stampfer „Ashiko“ mit einem prototypischen Bass voran. Ebenso eigen erzeugen die Klangholzmuster in „Black Smokes, Bad Signs“ eine ungewöhnliche Stimmung, bevor der dunkle Bass samt löwenstarkem Dub-Echo den Rachen aufreißt und mit Hingabe dem Technogott huldigt. Unterm Strich ist „Tayi Bebba“ daher das cleverste Digi-Dub-Afrofuturismus-Album der Saison: Ungezügelt, überraschend, aberwitzig und trotz Überlänge in seiner Tanzwut ansteckend. (Markus Wiludda, eldoradio* - mit freundlicher Unterstützung von AUFTOUREN.DE)

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