Jeff Rosenstock - POST-

Jeff Rosenstock ist ein Rebell. Der Musikindustrie hat er bereits vor über zehn Jahren den Krieg erklärt. Damals war er 22 Jahre alt, produzierte Punksongs über das eingebaute Mikrofon an seinem Computer, und seine Band hieß Bomb The Music Industry! Da ist die Botschaft klar: Labels, Konsumkids und Kapitalist*innen haut lieber ab. Mittlerweile ist Rosenstock 35, solo unterwegs und damit erfolgreich. Blöd gelaufen.

POST- heißt das neue Album von Jeff Rosenstock. Der Vorgänger Worry wurde von der Zeitung USA Today zum besten Album 2016 gewählt. Die neue Platte wird in ähnlich höchsten Tönen gelobt. Wie willst Du da Punk bleiben und nicht Teil der verhassten Musikindustrie, wenn Du besser bist als Beyoncé (Platz 2/2016)?

„TV Stars don’t care about who you are“, singt Rosenstock. TV Stars ist der einzige wirklich friedliche Song auf POST- – zumindest der Großteil des Liedes. Zum Ende hin nimmt es an Fahrt auf. Es ist der Zappelphilipp auf dem Album, der beweist, dass Rosenstock nicht lange ruhig sein kann. Stattdessen regt er sich lieber auf, zum Beispiel über die USA: Im gleichnamigen Song wiederholt er immer wieder die gleichen zwei Wörter „tired and bored“, dass man ihn am liebsten sofort am Hemdkragen packen möchte, um ihn aus diesem Land rauszuholen. Aber dann folgt diese Traumsequenz, ein langes Instrumental wie Radiohead zu ihren besten Zeiten gespielt haben, und schon soll Rosenstock doch bitte in diesem Land sitzen bleiben, das ihn zu solch herrlicher Musik inspiriert.

Schon zu Schulzeiten hebt Rosenstock sich ab. Anders als seine Schulfreunde trägt er eine Krawatte, zeigt so seine Liebe zu Ska & Punk. Später gründet er zahlreiche Bands, u.a. The Arrogant Sons Of Bitches und Antarctigo Vespucci. Seine Attitüde ändert er nie. Die Dinge, über die er sich in seiner Musik aufregt, setzt er selbst um: Seine Songs stehen mit wenigen Ausnahmen komplett für lau zum Download im Netz. Seine Konzerte kosten nie mehr als 15 Euro.

Trotz seines Erfolgs bleibt Rosenstock der Punk, der Außenseiter in der glitzernden Gesellschaft. Yr Throat startet mit Schlagzeug und harten Gitarrenlicks, ehe der 35-Jährige singt: „I can’t do anything of impact. I emptied out my brain, in hopes that I would have some impact.“ Er singt erst alleine, dann holt er sich den für den Punk üblichen Stimmenchor dazu. Eine knappe Minute halten Rosenstock und seine Homies aber die Klappe und lassen so Raum für wildes Hin- und Herspringen, Tanzen oder nur Haare wackeln. So entwickelt sich das Lied zu einem der stärksten Songs auf POST-.

„Ich habe es nie verstanden, wie ich den Menschen von meiner Musik erzählen soll, ohne ihnen irgendwelche Scheiße in den Rachen zu rammen, ohne eine Person zu sein, die ich gar nicht sein will“, sagt Rosenstock dem Magazin Noisey. So klingt niemand, dessen Name in einer Kategorie mit Beyoncé genannt wird.

(Julian Beyer, eldoradio*)

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