Surf City - Headin' Inside
Wenn die Heizung auch nach mehrmaligem Entlüften nicht die benötigte Wärme erzeugt, wenn parallel im Fernsehen ein Spot eingeschoben wird, der uns erklärt, dass wir jetzt eigentlich an einem blendend weißen Sandstrand kühle Cocktails genießen wollen. Natürlich fühlen wir uns auf den Arm genommen. Und natürlich wollen wir dann doch an diesen illusorischen Sommerstrand. Zu dieser Zeit, in der bei uns so langsam aber sicher in ganz großem Stil die Sonne untergeht, denkt man sich gerne an andere Orte. Die Menschen und ihre Gedanken wenden sich mehr und mehr ins Innere. Passend dazu der Titel unserer dieswöchigen Zukunftsmusik: „Headin’ Inside“. Surf City dürfte die Bedrohung des nahenden Winters zumindest aktuell nicht plagen. Sie kommen aus der südlichen Hemisphäre. Genauer: aus Neuseeland. Vom anderen Ende der Weltkugel. Von dort, wo es nun Sommer wird. Wasser auf unsere Mühlen, Sonne auf unsere Solarzellen. In diesen modernen Zeiten hat es natürlich andere Gründe, aber dennoch ist die Zahl der aus Neuseeland zu uns herüberschwappenden Bands verschwindend gering. Die große Welle ist nicht zu erwarten. Ein Quotenvorschlag unsererseits also? Natürlich nicht! „Headin’ Inside“ dass vier Herren von Surf City den Weg bewältigt haben. Zuerst nannten sich Surf City noch „Kill Surf City“, nach einem The Jesus And Mary Chain-Song. Aufgrund der Dopplung mit gleichnamigen Bands, vor allem in Europa, entschied man sich, den Namen wieder zu kürzen. Aber weder vorher, noch nachher, klingen Surf City nach Surfer-Pop. Vielmehr ist es eine freundliche, positive, kontrolliert wilde Mischung aus Schrammelgitarren, Orgeln, beckenlastigen Drums und widerhallendem Gesang. Eigentlich Lo-Fi, eigentlich extrem dünn produziert. Aber gerade deshalb so glaubwürdig und natürlich. Jüngst adelte sie ein Mitglied der legendären Pavement durch einen Vergleich mit Sonic Youth und Interpol. Vielleicht ist da etwas mehr Sonic Youth als Interpol, darüber kann man sich sicher streiten. Nicht streiten kann man sich darüber, dass „Headin’ Inside“ zurecht unsere Zukunftsmusik dieser Woche ist.(Sven Riehle) Künstler: Surf City | Label: Morr

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