Tittsworth - WTF
Es gibt Themen, die muss man klar ansprechen. Wir wollen der dieswöchigen Zukunftsmusik auf dem Wege gerecht werden, ohne große Umschweife auf den Punkt zu kommen. Es geht um Sex, Drogen, Verbrechen, schlimmere Verbrechen, mehr Sex und noch härtere Drogen. "Hey wait, what the fuck?! Everybody on Drugs!" Es gibt Themen, die muss man klar ansprechen. Und es gibt Strömungen, die reißen einfach mit. Baltimore Club ist im Grunde schon ziemlich alt. Bereits in den frühen 90ern zwischen House, Trash und Club-Rap verwurzelt, galt Bmore Club stets als polarisierend. Für die einen einfach vulgär und billig. Für die anderen die realistischste und gleichzeitig einfach spaßigste Aufarbeitung des Geschehens in einer der kriminellsten Städten der Vereinigten Staaten. Heute sind die Themen die gleichen, die Gangart ebenfalls. Allerdings hat die neue Riege von Bmore Club-Produzenten deutlich mehr, worauf sie zurückgreifen kann. Und so ist der neue Sound ein hedonistisches Hybrid aus alten HipHop-Ulkereien und aktuellen, harten House- und Club-Beats. Der Produzent Tittsworth aus Washington D.C. ist eine der positivsten Erscheinungen der neuen Generation des Bmore Club. Einer für die Drecksarbeit. Einer der sie liebt und hörbar Spaß daran hat. Und er hat die Gabe aus dem Wort "billig" eine Tugend zu machen. So kriegt man zum Beispiel die wohl synthetischste Trompete der Musikgeschichte zu hören. Dagegen könnte das Fisherprice-Modell sofort in der Philharmonie eingesetzt werden. Und selbst solcher Unfug würde hier reinpassen: der Track klingt wie eine einzige, große, wilde Party. Man kann es sich lebhaft vorstellen: Fontänen aus Schampus, weiße Berge, so hoch wie die Alpen. Wo man hinsieht barbusige Damen, die sich zu bewegen wissen und Schränke mit der Knarre im Hosenbund, die bei aller Euphorie auch mal einen Schuss in die Decke setzen. Ja, das Zeug macht einem Angst. Ja, das Zeug ist ungesund. Ja, ganz sicher geht es hier nicht mit rechten Dingen zu. Aber es macht uns verdammt nochmal süchtig. (Sven Riehle)

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