Ben Khan - Ben Khan

Heutzutage tun Künstler alles dafür, ihren Platz im Rampenlicht zu behalten. Neues Material muss wie am Fließband produziert werden, und wenn es das gerade nicht gibt, kämpft man auch mal bei einem Twitterstreit um Relevanz (man denke etwa an Katy Perry und Taylor Swift). Denn der Musikmarkt ist so gesättigt, dass man leicht in Vergessenheit gerät.

Ben Khan scheint dieses Problem nicht wirklich zu kümmern. Nach einigen EPs, von denen die letzte 2015 erschien, wurde er schon als nächstes großes Ding gefeiert. Doch dann verschwand er einfach von der Bildfläche. Jetzt ist er mit seinem selbstbetitelten Debütalbum zurück, von dem viele bezweifelten, dass es überhaupt je erscheinen würde. Das Sich-In-Luft-Auflösen war aber durchaus geplant, denn Ben Khan fühlte sich musikalisch in eine Ecke gedrängt, die ihm nicht gefiel. “I wasn’t really feeling the direction it was headed in, so I just stopped and kind of restarted […] it just felt a bit like I was getting pulled in a direction rather than deciding to go somewhere.” Stattdessen besann er sich bei seinem Vater in Indien lieber darauf, wie seine Musik wirklich klingen soll.

Herausgekommen ist dabei ein Album, dass sich anhört, als hätte man Nineties-RnB vor dem Hintergrund von Blade Runner neu aufgelegt. Kein Wunder, denn Ben Khan hat zur Inspiration den Film ständig ohne Ton nebenherlaufen lassen. Bestes Beispiel für den Space-Sound sind Songs wie 2000 Angels. In einem wabernden, sich steigernden Synthesizer-Beat webt sich Khans Stimme, die Vergleiche mit James Blake aufkommen lässt. Die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft wird auch im weiteren Verlauf des Albums vorgesetzt, etwa bei Do It Right mit seinem futuristischen Funk-Einschlag.

Ben Khan fällt es jedoch schwer, auf seinem Debütalbum konstant die Balance zwischen gekonnt dosierten Effekten und Reizüberflutung zu halten. Monsoon Daydream wirkt am Anfang wie ein Meisterwerk, überfordert den Hörer/ die Hörerin aber spätestens nach der Hälfte. Während Love Faded erklingt die ganze Zeit ein hoher Ton, der einem nach einer Weile leicht auf die Nerven geht. Am besten funktionieren seine Songs aber, wenn sie reduzierter sind und sich mehr auf Ben Khans Gesang konzentrieren. Das merkt man etwa bei Warriors Dream oder Ruby, dem Highlight des Albums. Beide kommen eher langsamer und ruhiger daher, steigern sich aber bis zum Ende immer weiter und entwickeln gerade durch ihren minimalistischeren Aufbau eine musikalische Sogkraft, die ihresgleichen sucht.  

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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Der Silberling der Woche ist eine Kooperation der Campusradios
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