Rye Rye - Bang
B-More nennen sie ihre Heimatstadt Baltimore. Sie sagen es voller Stolz, obwohl in ihren Vierteln die Häuser verfallen, Arbeitslosigkeit als einzige Perspektive scheint und die Gewalt so hoch ist, wie nirgends sonst in den USA. In einem Alltag aus Kriminalität und Armut ist das Musikmachen, Ausgehen, Tanzen wichtiger Bestandteil des Ablenkens. Den Körper stählen, die besten Moves draufhaben – das sind wichtige Konstituenten für das Selbstbild einer abgehängten schwarzen Gesellschaft in den Ghettos Baltimores. Darüber wird sich definiert, abgegrenzt und Anerkennung erworben. Entsprechend vital war seit jeher die HipHop-Kultur dieser Ostküstenmetropole, die sich immer auch als Untergrundkultur verstand und in Abgrenzung zum Mainstream-BlingBling härtere, düstere, muskulösere Beats, Reime, Tracks bevorzugte. B-More-Style eben. Die Mischung aus Chicago House und 80er-Jahre-Nostalgie-Rap sorgte für „crazy legs“ – eine akrobatische Tanzform mit hoher Expressivität. Vor zwei Jahren geriet „Shake It To The Ground“ von Blaqstarr ft. Rye Rye zum Exportschlager und definierte den Baltimore Klubsound für ein breiteres Publikum, das auf der Suche war nach dem ursprünglicheren, dreckigeren Songs als das, was die Charts ihnen vorsetzen. Dass es gerade eine Frau ist, die der männlich dominierten Szene nun einen Vorwärtsschub gibt (und das auf einem Major Label!), mag als ironischer Kommentar der Zeitgeschichte verstanden werden, ist aber mehr als zufällig. Nach dem Tod von K-Swift übernimmt nun Rye Rye den Platz im Rapkosmos Baltimores – auch dank der schubkräftigen Hilfe der Worldbeat-Königin M.I.A. aus London, die auch bei der Zusammenstellung ihres im Herbst erscheinenden Debüts half. Klangmäßig sucht Rye Rye (frische 19 Jahr jung) noch nach ihrer Identität. Viele ihrer Beats sind entlehnt und zitieren sich durch die Vergangenheit. Jedoch birgt „Bang“ auch Potenzial für die Zukunft und zeigt auf erstaunliche Weise, dass regionale Eigenheiten in unserer globalisierten Gesellschaft mit der richtigen Vermarktung international erfolgreich sein können. In so fern feiert eldoradio* mit Rye Rye den Sieg der Verknüpfung – in musikhistorischer und geographischer Hinsicht. (Markus Wiludda) "Bang" ist auf dem ansonsten wenig empfehlenswerten Soundtrack zum neuen "Fast And The Furious"-Film enthalten. Künstler: Rye Rye

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KW 15/2024
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Die neue Zärtlichkeit STRG+ALT+ENTF
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ARCHIV

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KW 40/2016 Tkay Maidza Carry On (feat. Killer Mike) Kitsune
KW 04/2018 CupcakKe Cartoons self-released
KW 33/2005 Gus Black Certain Kind Of Light siehe Text
KW 07/2010 Aufgang Channel 7 siehe Text
KW 31/2018 1805 Chop Liver 756190 Records DK
KW 50/2008 Telepathe Chrome's On It siehe Text
KW 18/2012 St. Lucia Closer Than This (Viceroy Remix) siehe Text
KW 21/2010 James Blake CMYK siehe Text
KW 41/2004 Quit Your Dayjob Coconut siehe Text