Olafur Arnalds - 30:55
Es endet meist unschön. Der Tinnitus fräst sich ins Ohr, lässt die Hirnrinden explodieren, den Kopf nimmer stillstehen. Stört, raubt Nerv und Lebensdrang. Das Leben als Drummer in den zwei Hardcorebands Fighting Shit und Celestine bedeutet für Olafur Arnalds neben ungebrochenem Aggressionsabbau vor allem Lärm und Stress. Mit voller Wucht klatscht die Doublebass als wulstiger Stoß durch den Raum, während die Becken ihr Vibrato in den Moshpit impfen. Dieses lautstarke Leben lässt der blutjunge Isländer bisweilen hinter sich, legt die Sticks dann und wann beiseite und öffnet den Koffer mit der Geige oder versucht sich an sacht geschlagenen Pianoläufen. Sein Kontrastprogramm heißt: Intimität. Dicht verwoben sind die Atmosphären, die sich in den Wortlosigkeiten seines Debüts auftürmen. Fragil und in ihrer Unendlichkeit beeindruckend, dann mit überbordendem Pomp und fulminanten Crescendi zu ergreifenden Erstschlägen ausholend. "30:55" ist ein Paradebeispiel. Klassisch instrumentiert und doch mit dem Charakter bekannter Indie-Ästhetik. Und diese Spannungsbögen halten, was sie versprechen. Die Melodien scheinen direkt vom Zuckerbäcker zu stammen, und alles ersprießt letztlich in schauerlich-schönem, melancholischem Wohlklang. Einnehmend und bezaubernd. Und vor allem: leise. (Markus Wiludda) "30:55" entstammt dem Album "Eulogy For Evolution" - erscheint Ende Oktober in Deutschland. Künstler: [[http://www.olafurarnalds.com, Olafur Arnalds]]

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