Cover: Moiré

Wie der Vater, so der Sohn. Wenn elektronische Musiker selbst ein Label gründen, nehmen sie im Zuge dessen oftmals genau diejenigen Künstler unter Vertrag, die sich fast kongruent zur eigenen verhalten. Gerade in der Londoner Elektronikszene ist dies ein bekanntes Muster. Und so wundert man sich auch nicht, dass der junge Produzent Moiré auf Werkdiscs, dem Label von Silberlingskünstler Darren Cunningham alias Actress gelandet ist. Unterkühlte, höchst moderne Klänge sind die Schnittmenge der beiden Künstler, die sich dann doch hinsichtlich Experimentierlust und Abstraktionsgrad hörbar unterscheiden.

„Dali House“ von Moiré ist keineswegs so kleinteilig verschachtelt wie die diesjährigen Actress-Tracks, sondern tanzt gradlinig im Takt. Ein bisschen verwechselbar klingen seine Tracks, beinahe etwas gesichtslos – was nur allzu sehr ins Gesamtkonzept passt. Denn die Informationen über den Künstler sind spärlich gesät, der sich auch mit Interviews und Kommentaren zurückhält. Es ist mehr die Ahnung und die Aura, die auch seine Songs prägen. Seine kargen House-Beats treffen dabei auf sehnsüchtige Synthie-Flächen, denen die Übernächtigung tief in die Augenränder tätowiert ist. Moiré macht Hangover-Musik für die Prime Time im Club und nimmt bereits so die nachfolgenden Stunden vorweg. Vielleicht ist genau das der Aspekt, der seine Tracks trotz aller Bekanntheit im Gestus so frisch und zeitgemäß klingen lässt. Die Aufregung ist ihnen eingeschrieben, ohne dass sie dezidiert ausgestellt wird. Gänzlich zu empfehlen ist auch „Shelter“, sein aktuelles Album, das vielseitig zwischen Deep House und blubbernden Experimenten pendelt. (mw)

 

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ARCHIV

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