Aisha Badru - Bridges

Falls Euch heute noch nicht zum Heulen zu Mute ist, genießt weiterhin diesen Tag und hört auf keinen Fall den Song Bridges. Er hat die gleiche Wirkung wie Hide & Seek von Imogen Heap oder Fix You von Coldplay: jede tapfere Fassade wird erbarmungslos eingerissen. Die New Yorker Künstlerin Aisha Badru nutzt dabei wirklich alle Möglichkeiten aus, die ihr 3.42 Minuten bieten, um Euch emotional werden zu lassen.

Los geht es eigentlich, schon bevor der Song erstmals läuft, auf ihrer Homepage: "Warum habe ich ein gebrochenes Herz verdient?", fragt Aisha Badru dort. Was wirkt wie ein selbsttherapeutischer Blog, ist in Wahrheit die Ankündigung für ihr Debütlabum Pendulum. "Jedes Lied auf meinem Album weist auf die Geschenke hin, die die schmerzvollen Erfahrungen prägen, die ich ertragen habe", sagt sie. Puh, Taschentücher schonmal platzieren, und Album anhören, spätestens nach Song Zwei dann kapitulieren.

Das ist Bridges, und der steigt ein mit einem monotonen Beat aus Bass drum und Snares, im Hintergrund breiten sich aber schon ansteigende Synthies aus, die die volle Aufmerksamkeit auf die ersten Wörter von Aisha Badru legen: "We were worlds apart / So I fell from the stars." Doch ihr Inhalt geht fast unter, das große Highlight ist nämlich die deutliche, aber zerbrechliche Stimme von Aisha Badru. Jede Silbe wird zudem von einem Effekt aus zittrigen Bässen unterlegt - verletzlicher kannst Du nicht wirken.

Nun soll es gefühlskalte Menschen geben, auf die die Stimme von Aisha Badru auch trotz Effekte keine Wirkung hat. Selbst für die hat die New Yorkerin vorgesorgt. Im zweiten Drittel von Bridges dropped sie eine Interlude, eine überwältigende Sequenz aus Streichern, die einen fast erschlägt. Deren Wucht kann als Sonnenaufgang also Hoffnung gewertet werden, aber auch genauso als Abschied. 

Die Lyrics von Aisha Badru sind durchflutet mit Poesie und Bildern, die sich nicht in eine Richtung deuten lassen. Sie singt zum Beispiel von den Schmerzen, die sie mit einem Menschen verbindet. Bei Aisha Badru klingt das so: "I've got scars by great white sharks / But I swam fast and I swam hard / All these miles I've walked / All these stumbles and falls / They led me straight to your arms." Bei diesem Menschen will die Sängerin bleiben und dafür will sie jeden Ozean überqueren, jede Brücke reparieren, jeden Berg erklimmen und selbst die Tage ohne Sonnenschein überstehen. Ob es die beiden zusammenhält, ob sich beide wiedersehen, erfahren wir leider nicht. Aber dieser Mensch, von dem sie da singt, kann ihre PartnerIn sein, es kann eine FreundIn sein, Angehörige, eigentlich jede Person, die man in den Arm nehmen würde. Das macht das Lied so gefährlich, es kann tatsächlich für jeden gelten und sein Ausgang ist unbestimmt.

(Julian Beyer, eldoradio*)

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