
Pommes ohne Schranke, Sommer ohne Urlaub, Sex ohne Orgasmus? Manche Dinge gehören einfach zusammen und sind nur vereint ein gutes Team. Eine Blitzumfrage gerade unten auf der Straße hat auch festgestellt: 9 von 10 Personen sind der Meinung, dass Beats ohne Gesang keine wirkliche Musik darstellen. Und das ist gar nicht einmal so abwegig, haftet doch reinen HipHop-Abstraktionen immer etwas Unfertiges und Skizzenhaftes an und fordert ein geschulteres Ohr, um das Vokabular von Details, Brüchen und Bässen zu verstehen.
Dass das lohnt, zeigen in den letzten Jahren immer mehr Künstler, die ganze Alben mit instrumentalen Beat- und Samplekonstruktionen veröffentlichen und dabei so deutlich wie nie auch die unterschiedlichen Produktionsarten offenlegen und somit selbst zum Thema machen. J Dilla muss genannt werden, der tief in die Zitatkiste greift und den Soul und Funk aus der Vergangenheit destilliert – seine Tracks zählen zu den erfolgreichsten auf diesem Gebiet. Flying Lotus hingegen setzt aufs Digitale und entwirft eine futuristische Vision verrenkter Beats, die fast schneller vorbei sind als sie begonnen haben. Dazwischen wabert eine Ahnung vorbei, die einerseits stahlhart und unnahbar erscheint und doch wässrig und organisch erscheint, als wären das nicht die maximalen Gegensätze, die es in der Welt geben könnte. Überhaupt scheint Flying Lotus überlegen spielerisch die Grenze zwischen HipHop und Elektronik aufzuheben, die seit jeher nur ein schmaler Grad war und in der musikalischen Evolution oftmals als Katalysator fungierte.
Mux Mools Entwürfe sind nicht ganz so störrisch wie die des Eastcoast-Kollegen FlyLo, nicht ganz so rasant und scharf. Seine Tracks zeigen mehr Varianz – sind aber auch rein instrumentaler Natur. Mit einer einzigen Ausnahme! Für die Single „Death 9000“ (die sich in wortloser Form auch auf dem Debütalbum „Skulltaste“ wiederfindet) stellte er Prof und P.O.S. vors Mikro, die den digitalen Untersatz mit Worten bekleckern. Die Beats sind dick aufgeschwämmt, die PC-Sounds erinnern an die ersten Gehversuche von Computermusik und reminisizieren die 80er. Aber trotz aller nostalgischen Zukunftsästhetik kommt dieser Track und das zugehörige Album aktuell daher. Es stört kaum, dass dieses Werk vielleicht nicht das progressivste des Jahres ist ; wohltuend ist es alleine deshalb, weil es etwas Abstand nimmt von der inzwischen dominierenden Dubstep-Ästhetik der möglichst krumm platzierten Beats und distanzierenden Kühle. Hier ist jemand, dem Traditionen viel bedeuten. (Markus Wiludda)
PS: Den Zukunftsmusiktrack gibt es gratis auf der "Viking Funeral EP", deren Tracks aber teilweise deutlich vom gerade erschienenden Album „Skulltaste“ abweichen, das ausschließlich instrumental gehalten ist, aber auf Volldistanz spannend bleibt. Absolute Kaufempfehlung!
Künstler: Mux Mool | Label: Ghostly
RÜCKSCHAU
ARCHIV
| WOCHE | Künstler/Band | NAME DES ALBUMS/SONGS | MUSIKLABEL |
|---|---|---|---|
| KW 15/2024 | Morgan Harper-Jones | Lose A Tooth | Play It Again Sam |
| KW 11/2024 | Thérèse | No Right Time | X-Ray Production |
| KW 10/2024 | Die neue Zärtlichkeit | STRG+ALT+ENTF | recordJet |
| KW 07/2024 | MAIKA | Little Lizard | Jazzhaus Records |
| KW 04/2024 | Edgar Homeros | Please Be Careful | Cosmos Music |
| KW 03/2024 | weesby | morgen | self-released |
| KW 51/2023 | Francis | taxilicht | Raposa |
| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |




