Album-Rezension: „bbno$“ von bbno$

Von Roman Lachowicz

 

Der Name bbno$ oder „baby no money“ ist das Erste, was nach dem Hören des gleichnamigen Albums hängen bleibt. Und das nicht nur, weil der Künstlername in der Welt der Popmusik ungewöhnlich ist. Sondern auch, weil der Name in vielen Songs auf dem self-titled Album mindestens einmal erwähnt wird. Und das in verschiedensten Formen. Entweder buchstabiert wie in „it boy“ („I-t b-o-y, b-b-n-o-dollarsign“) oder von einem Kinderchor gesungen wie in „two“. Mit bürgerlichem Namen heißt der kanadische Sänger übrigens Alexander Gumuchian.

Apropos im Kopf bleiben. Das Album ist voller Ohrwürmer. In den 21 Titeln auf dem Album arbeitet bbno$ mit einfachen Songtexten, die er auditiv interessant umsetzt. Zumindest scheint es auf den ersten Blick so.

Die Texte sind zwar nicht gerade von Metaphern und komplexen Stilmitteln geprägt, aber schon sehr einzigartig. Wahrscheinlich, weil sie manchmal ein bisschen albern und nach Nonsens klingen. Außerdem ist der Text in den meisten Liedern sehr schnell. Bis man die Zeilen also erstmal verstanden hat, muss man sich das Album mehrmals anhören oder direkt in die Lyrics gucken. Hört man sich die Strophen an, erkennt man, dass sie humorvoll und um die Ecke gedacht sind. In „bing bong“ singt bbno$ zum Beipspiel „Teeth shiny, yeah, they callin’ me Jaws“, was eine Anspielung auf Spielbergs „Der weiße Hai“ (Original-Titel: Jaws) ist. Im gleichen Song lautet eine Zeile aber auch „Fuck yo’ agenda, protect them dolls“. Damit macht bbno$ klar auf den Schutz für Transgender-Personen aufmerksam. Der Slogan ist ein Symbol gegen Transfeindlichkeit.

Genauso vollgepackt wie die Songtexte sind übrigens auch die Musikvideos. Viele Szenenwechsel und wenig Handlung. Meistens sieht man nur abstrakte Szenenbilder, bei denen man daran zweifelt, dass ein tieferer Sinn dahintersteckt. Ein Beispiel: Im Musikvideo zum Song

„two“ trägt der Sänger unter Anderem eine Plastik Tüte auf dem Kopf, trägt eine Sonnenbrille und steht auf einer Klippe vor dem Meer. Dann steht er auf einmal in einer knappen Unterhose zwischen Schafen. Wichtig zu erwähnen ist allerdings, dass die Musikvideos zwar keinen tieferen Sinn haben, aber dennoch sehr unterhaltsam sind. Man bleibt dran, weil man keinen random Szenenwechsel verpassen will.

Auf dem Album ähneln sich viele Lieder in ihrer Produktionsweise. Starke Bässe und experimentelle Sounds ziehen sich durch das Album. Trotzdem bietet das Album immer wieder neue Reize. Jeder Song überrascht aufs Neue. Sei es wegen der Texte oder der Musik drumherum. Vor allem letzteres ist aber der Grund, warum das Album mitreißend ist. Eine Sammlung von Tracks, die vorwärts gehen und motivieren. Gerade wenn man denkt, jetzt käme nichts Neues mehr, überzeugt bbno$ die HörerInnen vom Gegenteil. Zum Beispiel mit spanischen Sounds in „estrella“ oder brasilianischen Vibes in „come to brazil“.

Die Musik treibt an und macht Spaß zu hören. Bbno$ nimmt Pop-Kultur auf die Schippe und kann auch Witze über sich selber machen, was ihn sehr sympathisch wirken lässt. Ein Künstler, der am Zahn der Zeit lebt und weiß, welche Lücke in der Branche er füllen will. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich schonmal den 16. oder 17. Mai 2026 im Kalender markieren. Da tritt er nämlich im Rahmen seiner World Tour live in Köln auf.

 

Foto: olen quinn 

 

WEITERE NEWS