Cover: Seven Davis Jr.

Ein Bass-Lauf wie ein Wackeldackel, ungeduldig von einem Tonbein aufs andere wechselnd. Der denkbar stumpfeste Beat. Hin- und her. Immer wieder. Und doch wohnt dieser Minimalkonstruktion eben jene Qualität inne, die „Wild Hearts“ so unwiderstehlich macht: Sie groovt unablässig lässig. 

Wobei wir auch schon direkt im Zentrum dessen sind, was Seven Davis Jr. ausmacht: Er produziert seit einigen Jahren kleine, soulige und ebenso funkige House-Hymnen, die kaum mehr als Chiffren ihrer einstigen Schubladen sind. So kleinteilig zersprengt sind hier die angestammten Genre-Zuordnungen, so frei wird hier mit digitalem Kleber eins zum anderen gefügt. Gut und gerne hätte es dabei sein können, dass sich Seven Davis Jr. mit fiebrigen Balkan-Grooves infiziert hätte, wäre er nicht im amerikanischen Texas geboren und weit entfernt von den kulturellen europäischen Schmelzen aufgewachsen. In Houston lernte er, christlich sozialisiert, den Blues und den Soul, das Amen seiner Gemeinde, was in steter  Wiederkehr seinen Lebensrhythmus bestimmte. Auf „Wild Hearts“ ist jedoch kaum mehr etwas davon zu spüren, einzig seine trainierte und überaus angenehme Stimme hat einige Spuren davongetragen, die sich auf dem Debüt für Ninja Tune gut in warme Melodien und einen gänzlich unverkopften Umgang mit Genres einfügt  und dessen, was davon übrig geblieben ist. Minimalismus und Vielseitigkeit scheinen bei Seven Davis Jr. unverrückbar miteinander verbunden. 

Erwähnenswert ist dabei sein Selbstverständnis, dass er sich dabei nie dem Visionären zuwenden will, sondern Bestehendes behutsam neu-arrangiert, verarbeitet und aktualisiert. Genau deshalb klingen seine Tracks beim ersten Hören ebenso freundschaftlich wie bekannt und vermeiden es konsequent, eine antiquierte Retro-Ästhetik zu beschwören, die eine bloße Rückwärtsgewandtheit impliziert. (mw)

RÜCKSCHAU

KW 15/2024
Morgan Harper-Jones Lose A Tooth
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Thérèse No Right Time
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Die neue Zärtlichkeit STRG+ALT+ENTF
KW 07/2024
MAIKA Little Lizard
KW 04/2024
Edgar Homeros Please Be Careful

ARCHIV

WOCHE Künstler/Band NAME DES ALBUMS/SONGS MUSIKLABEL
KW 15/2024 Morgan Harper-Jones Lose A Tooth Play It Again Sam
KW 11/2024 Thérèse No Right Time X-Ray Production
KW 10/2024 Die neue Zärtlichkeit STRG+ALT+ENTF recordJet
KW 07/2024 MAIKA Little Lizard Jazzhaus Records
KW 04/2024 Edgar Homeros Please Be Careful Cosmos Music
KW 03/2024 weesby morgen self-released
KW 51/2023 Francis taxilicht Raposa
KW 25/2023 Skuff Barbie Locker 365XX
KW 19/2023 Pano Hang in Selbstveröffentlichung
KW 08/2023 Heartworms Retributions Of An Awful Life Speedy Wunderground / [PIAS]