
Neulich am Küchentisch einer befreundeten WG: Hyperventilations-Alarm! So etwas hat es selbst im kulinarisch gebauchpinselten Dortmund bisher noch nicht gegeben; da standen Münder in Reihe offen. Mit dicken, schwarzen Lettern und einem Gourmet-Sternchen extra pries das Lieferservice-Blättchen einer lokalen Universalgrillstubenpizzeriadönerei ihre neueste Schmecklecker-Errungenschaft an: „Döner überbacken, mit Sauce Hollandaise“, für nur 6 Euro. Während die eine Hälfte der WG in Windeseile auf die zwei Toiletten auf dem Flur verschwand, wählte die andere mit zittrigen Händen und voller Erwartungsfreude die Nummer des Bringdienstes.
Ähnlich verhält es sich mit den Reaktionen auf die aktuellen Single „Hey QT“ der Bubblepop-Prinzessin QT (sprich: cutie): Love it or hate it! Polarisierend wie ihre ebenso abgedrehte wie überdrehte Kaugummiwelt mit ihren Tendenzen zur Überfülle an allem, war in diesem Jahr einzig der Hass-Hype um das Nerd-Label PC Music, was ähnlich gewagt die Klippe zur Banalisierung und Ironisierung des eigenen Status Quo mit breitem Grinsen überschritt. Da ist es kein Wunder, dass QT sich als Produzenten sowohl PC-Music-Gründer A.G. Cook als auch den Londoner Silikonbeat-Bastler Sophie schnappte, um dem Song den letzten Schliff zu geben. Das Ergebnis ist schlechter Geschmack in Reinkultur und so rattenscharf in Zuckerwatte gehüllt, dass die schlimmsten Erinnerungen an die 90er oder erbärmlichen Korea-Pop wie Luxusträume erscheinen.
„Hey QT“ pitcht Stimmen zu plüschigen Kulleraugen, klaut sich die Beats für 10-Cent aus dem Kirmes-Automaten und die Effekte aus dem Preset-Programm des billigsten Toys’r’Us-Keyboards. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, mehren sich alsbald die Schweißflecken im Polyester-T-Shirt, denn auch wenn Kurzfristigkeit und Folgenlosigkeit diese Musik dominieren, ist der Spaßfaktor nicht zu überhören. Das hat sich auch das Label XL (White Stripes, Jungle, Vampire Weekend, SBTRKT) gedacht und diese Zeitgeist-Erscheinung unter Vertrag genommen. Hallo Kindchen-Schema, hallo QT. Und bunt (viel). (mw)
RÜCKSCHAU
ARCHIV
| WOCHE | Künstler/Band | NAME DES ALBUMS/SONGS | MUSIKLABEL |
|---|---|---|---|
| KW 15/2024 | Morgan Harper-Jones | Lose A Tooth | Play It Again Sam |
| KW 11/2024 | Thérèse | No Right Time | X-Ray Production |
| KW 10/2024 | Die neue Zärtlichkeit | STRG+ALT+ENTF | recordJet |
| KW 07/2024 | MAIKA | Little Lizard | Jazzhaus Records |
| KW 04/2024 | Edgar Homeros | Please Be Careful | Cosmos Music |
| KW 03/2024 | weesby | morgen | self-released |
| KW 51/2023 | Francis | taxilicht | Raposa |
| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |




