
So nach den ersten Eindrücken von „Tyttö Tanssii“ zu urteilen würden einem aller Voraussicht nach erstmal Múm, Amiina und allen voran Sigur Rós in den Sinn kommen. „Klar, verschrobene und dabei mächtig sperrig-emotionale Songs machen können se, die Isländer!“, hört man sich darauf sagen und streichelt dabei ganz selbstverliebt sein vermeintliches Musikwissen, auf das es schnurrt
Dankenswerterweise funktioniert dies nicht immer so leicht, denn die Band Paavoharju, die „Uskallan“ geschrieben hat, kommt aus Finnland und wenn man nicht so voreilig ist, dann wird man feststellen, dass die Finnen ganz und gar kein Sigur Rós Abklatsch sein wollen, es gar nicht nötig haben. Vielleicht sollte noch gesagt sein, dass sie keine New-Age Hippies sind, so steht es auf ihrer Webseite als zweiter Unterpunkt, der Aufklärung bedarf, zu lesen.
Die mittlerweile verstummte Selbstverliebtheit hat verstanden, dass auch sie lieber mal genauer hinhören sollte, genau wie alle anderen, für die der skandinavische Staat bisher musikalisch allemal als Export von düsteren Rockgruppen mit supersüßen Frontmännern und Gothicbands mit Sirenensängerinnen mehr oder weniger taugte.
Die zehn Musiker rund um Paavoharju vertonen in ganz hinreißend melancholischer Weise die eisige Landschaft und die schroffe Schönheit ihrer Heimat, klingen jedoch weit weniger elektronisch und minimalistisch wie es die abgeschlagenen skandinavischen Nachbarn so gerne tun. Vogelgurren, Geigenhimmel und dahinwabernde Pianoklänge entführen in diesen nicht greifbaren Zustand des Erwachens und lassen den Zuhörer in gespannter Erwartung zurück. Voller Sehnsucht lauscht man den sensibel orchestrierten Folksongs in Moll und spürt sofort diese Nähe zur russischen Seele.
Tief klingen Paavoharju, jedoch stets positiv, mal ganz zurückgenommen, leise und vertrackt, dann wieder majestätisch bis brachial. Eine Reise ins Innerste also, die auf ihrem Album „Laulu Laakson Kukista“ erst so richtig bestritten werden kann.
Kurz Paavoharju bewegen musikalisch: sich und ihr Heimatland sowieso. (Michael Pagels)
Künstler: [http://www.paavoharju.com, Paavoharju] | Label: [http://www.fonal.com/, Fonal]
RÜCKSCHAU
ARCHIV
| WOCHE | Künstler/Band | NAME DES ALBUMS/SONGS | MUSIKLABEL |
|---|---|---|---|
| KW 15/2024 | Morgan Harper-Jones | Lose A Tooth | Play It Again Sam |
| KW 11/2024 | Thérèse | No Right Time | X-Ray Production |
| KW 10/2024 | Die neue Zärtlichkeit | STRG+ALT+ENTF | recordJet |
| KW 07/2024 | MAIKA | Little Lizard | Jazzhaus Records |
| KW 04/2024 | Edgar Homeros | Please Be Careful | Cosmos Music |
| KW 03/2024 | weesby | morgen | self-released |
| KW 51/2023 | Francis | taxilicht | Raposa |
| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |




