
Etwas mehr als eine Minute dauert es, bis in „Spectre“ das erste Mal die Stimme von Graham van Pelt, hier Solokünstler und -produzent, sonst Mitglied der Band „Think About Life“, zu hören ist. Doch genau so lange hat man Zeit, sich in die Klangwelt dieses Stückes hinein zu träumen. Am Anfang brummt es. Dann ein Pulsieren. Dann die Drums. Dann endlich van Pelts warme Stimme, die auch in höheren Lagen angenehm klingt.
Nach einer Minute holt er kurz Luft, um dann noch einmal auszuholen. Genau die richtige Musik für Tagträume im Sommer, wenn man sich in die Sonne setzt oder sich an einem stressigen Tag mal eben auf den Balkon stellt – Luft holen: Das tut gut und funktioniert mit diesem Song. Er scheint fast selbst zu atmen; auch jetzt nach etwa drei Minuten wieder, es wird noch einmal ruhiger. Hört man da ein Flirren? Klingt ein bisschen nach Möwengeschrei. Und kaum hat sich die Stimmung in einer ruhigeren Lage eingependelt, wird wieder Spannung aufgebaut, durch die Eindringlichkeit der Töne.
Es gibt Lieder, die bestechen aufgrund ihrer Eingängigkeit, wegen ihrer ungewöhnlichen Klänge, des Textes oder eben, weil sie sehr puristisch gehalten sind.
„Spectre“ bietet verschiedene Elemente davon: Elektronische Sounds, Gitarrenklänge, eingängige Gesangsstellen. Eigentlich besteht das Lied nur aus zwei Refrains, keine Strophe dazwischen. Trotzdem werden wir hineingezogen in den Song, können träumen, es wird eine Spannung aufgebaut. Bei den meisten Liedern würde man bei einer Länge von mehr als 3 ½ Minuten schon abwinken, zumal wenn der Instrumentalmusik weitaus mehr Platz eingeräumt wird, als dem Gesang. Aber hier funktioniert es. Man ist drin, das Lied hält die Spannung bis zum Ende aufrecht, wenn es dann ausläuft und den Hörer aus den Tagträumen verabschiedet.
Den Verlauf des Liedes könnte man auch mit einer Welle vergleichen, die über den Hörer kommt, mal mehr, mal weniger aggressiv und mal mehr, mal weniger schnell. Auch am Meer ist es mal ruhig, dann kommt plötzlich wieder eine Welle und erfasst uns überraschend.
"Spectre" erschien auf dem Album "Was I The Wave"
Künstler: Myspaces | Miracle Fortress | Label: Secret City
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ARCHIV
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| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |




