Kuedo - Scissors
Bass-lastig, elektronisch, dunkel, düster, dumpf – das ist Dubstep. Oder auch nicht? Hell, intim und lebensbejahend klingt nämlich „Scissors“ aus Kuedos Debütalbum. Kuedo ist Jamie Teasdale, früher Mitglied von Vex’d und damit ein Dubstep-Künstler der ersten Stunde. Er scheint sich jetzt nicht nur projektbezogen, sondern auch musikalisch ein ganzes Stück von seinem Kollegen Roly Porter entfernt zu haben. Manche sagen, er klingt modern und futuristisch zugleich. Andere sehen es als Hommage an die 1980er Jahre. „Scissors“ scheint beide Rezeptionen zu bestätigen: Die ersten Klänge tönen fast sakral, dann entwickelt sich das Stück stärker, wird eindringlicher und man verfällt der kurzweiligen Gleichmäßigkeit. Teasdale meint, seine neuen Stücke beschäftigen sich mit einem Schwebezustand zwischen Tagtraum und Wachen. Er habe Intimes und Emotionales darin verarbeitet. Man hört das so oft: Musiker, die den Anspruch haben, ihren Hörern eine Insel zu schaffen, auf die sie sich zurückziehen können. Mit Hilfe der Musik dem Alltag entfliehen und sich in seinen Gedanken verlieren. Manchmal mutet das inzwischen lächerlich an – behauptet nicht jeder Künstler, er wolle dem Zuhörer nahekommen, eine intime Situation für ihn entstehen lassen, ihn berühren und positiv verwirren? Im Gegensatz zu sonstiger digitaler Beatmusik, der irgendwie oft so aufwühlend ist, auf anstregende Weise herausfordernd, kann man sich verlieren und hineindenken in Kuedos Musik. Einschneidend dieser bestimmte Rhythmus, aber doch holprig, die Abfolge der Klänge im Stück. Dann ein paar zerdehnte Vocals. Wirklich, dieses Mosaik des eingängigen Stückes passt auch zu Kuedos Aussage darüber, was sein Album widerspiegele: Ihn fasziniere die Ambivalenz, dass man manchmal im Alltag abschweift und der Realität entflieht, sich dann aber gleichzeitig in seiner ganz normalen, natürlichen Umwelt wiederfindet. Also ist diese Musik nicht nur etwas für Traumtänzer. Sondern auch für Realisten. (njs)

Label + Album hören: Planet Mu | Facebook: Kuedo

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