Cover: Jata - Dear Lover

Aus Berlin kommen einige Dinge, die sich nachhaltig ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben: Plötzlich auftauchende Mauern, merkwürdige Ampelmännchen, das KaDeWe und explodierende Mietpreise. Doch einer der bester Exportschlager, der in unserer Hauptstadt den nötigen Nährboden gefunden hat, bleibt der ständige Fluss feinster, musikalischer Experimentierfreude.

JATA ist eins dieser kleinen Projekte, die aus eben diesem Umfeld erwachsen sind und bei dem man die Ohren spitzt, wenn es unvermittelt im Lieblingsclub auf den Plan tritt.
Wer genau sich hinter den vier Buchstaben verbirgt ist bisher noch genauso unklar, wie das Wasser der Spree. Fakt ist aber, dass hier exakt ein Mann als Songwriter, Soundtüfftler und Produzent in Personalunion seine Vision von elektronischer Musik mit starken Soul-Anleihen unter das Volk streut.

„DearLover“ heißt der knapp 4 minütige Track, der mit einer Kombination aus breiten Bässen, hochgepitchen Synthesizer-Klängen und weichen Vocals für ein sehr angenehmes Gefühl in der Hörmuschel sorgt. Wie Planeten auf einer Umlaufbahn um die Sonne kreisen, so drehen sich auch die einzelnen musikalischen Ebenen immer wieder um den souligen Gesangspart und versetzen den ganzen Song damit in eine wabernde Schwingung. Derweil dürfen sich die verzerrten Elektroparts so richtig auf dem ausgerollten Bassteppich austoben und erinnern dabei nicht selten an Videospielklänge längst vergangener Tage.

Ziemlich losgelöst ist der fertige Mix, der sich kurzzeitig voll und ganz in experimenteller Spielfreude verliert, nur um dann von den starken Vocals wieder eingefangen und beruhigt zu werden. Doch gerade dieses Wechselspiel zwischen geerdeten und frei schwebenden Parts ist es, dass den Song vertraut und gleichzeitig unkonventionell frisch macht. Wer immer also für diesen unerwarteten musikalischen Impuls verantwortlich ist: Hoffen wir, dass er nicht so schnell wieder in die Berliner Altbauwohnung entschwindet, aus der mutmaßlich gekommen ist. (Carsten Simmler)

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