
„Faschismus ist eine verbotene Philosophie. Doch verbotene Philosophien kitzeln den Geist auf dieselbe Art und Weise, wie erotische Bilder den Körper kitzeln.“ Vorsicht! Hier handelt es sich nicht etwa um die Aufforderung, sich von rechten Inhalten inspirieren zu lassen. Mit dieser Aussage versuchte Cult of Youth-Sänger Sean Ragon kürzlich im Interview mit dem Musik-Magazin Stereogum, die Gratwanderung vieler Neo-Folk-Bands und Vertreter der Industrial-Music zwischen völkischen Anmutungen und kraftvollem Sound zu beschreiben.
Denn auch das Brooklyner Quartett Cult of Youth, das wir euch diese Woche in der Zukunftsmusik mit dem Titel „New West“ vorstellen wollen, musste sich schon öfter gegen krasse politische Anschuldigungen wehren. Hört man „New West“, erste Single-Auskopplung und gleichzeitig Opener des neuen Albums „Cult of Youth“, versteht man warum: Marschrhythmen machen den Auftakt, gefolgt von düsteren Bassklängen und Schlagzeug-Variationen. Dann erst setzen helle Flötentöne ein, die Sean Ragons hallende Stimme ein wenig erden und alles zu einem treibenden Klangerlebnis verbinden.
„Ich hatte nicht immer den Sinn für soziale Verantwortung von Musik, den ich heute habe“, sagt Ragon zu Stereogum und gibt zu, dass der militärische Ton auch bei Cult of Youth früher manchmal aggressive Wendungen hatte. Das erste Album aus dem Jahr 2007 und einige danach selbstveröffentlichte Singles richteten sich auch noch klar an ein Nischen-Publikum. Doch mit der Erscheinung auf Sacred Bones, dem Aufsteiger-Label der New Yorker Post-Punk und Underground-Szene, geht es für Cult of Youth nun an eine breitere Öffentlichkeit, erstmals auch über die Theken deutscher Plattenläden. Dazu passt denn auch die Einsicht Ragons: „Ich sehe martialische Musik am ehesten als ein Instrument, um Leute wachzurütteln, sodass sie die Kraft für ihre alltäglichen Kämpfe mit sich selbst und der Umwelt haben. Ich sehe unsere Musik als Musik der Selbst-Befreiung.“
Und das geht als Beschreibung des Album-Sounds vollkommen klar: Ragon und seine Bandkollegen liefern ein gekonntes Spiel mit der hallenden Akustik der Low-Fidelity (Lo-Fi, das Gegenteil von Hi-Fi)-Produktion ab. Während die Saitenhiebe des Bassisten Micki Pellerano und die Drums des Maschinisten Glenn Maryanski dem Album ordentlich Schub geben, wirken die Geigen- und Flöten-Arrangements der Violinistin Christina Key wunderbar luftig. Im Zusammenspiel mit Ragons harten, hallenden Vocals kommt dadurch auch in den knapp vier Minuten von New West eine unverwechselbare Atmosphäre der Aufbruchslust und des Neuanfangs auf. Stereogum bedachte diese Leistung im Januar mit der Einschätzung: „Band to watch 2011“- dafür lohnt es sicher, abstinent von „verbotenen Philosophien“ zu bleiben. (kg)
Cult of Youth ist in Deutschland am 25. Februar auf dem Label Sacred Bones erschienen.
Künstler: Cult Of Youth | Label: Sacred Bones
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