
Peng, Peng, Peng...Joystick nach rechts unten und Feuer, um den 528 schießenden Raumschiffen auszuweichen, die gerade wild entschlossen auf einen zudüsen. Irgendwie klingt der Anfang des neuen Animal Collective Songs Peacebone wie ein galaktischer Kriegsschauplatz in einem C46-Computerspiel kurz vorm Game Over. Chaos. Unruhe. Verwirrung. Ausmachen? Nein, auf gar keinen Fall! Auch wenn das Intro des neuen Songs ein bisschen Durchhaltevermögen abverlangt, wenn man dabei nicht gerade an seine Computerspiel-Heldentaten aus den 80er Jahren erinnert wird, ist auch dieser Animal Collective-Song einfach hörenswert, aber auch einfach anders als vieles andere. Dennoch beschreibt die New Yorker Band ihre Musik als Pop.
Im Vergleich zu den vorhergegangenen sieben recht experimentellen Alben sowie einigen Soloprojekten von Avey Tare, Panda Bear, Deakin und Geologist könnte dieser Song tatsächlich irgendwie Pop sein; vor allem wenn man den Gesang genauer betrachtet, der einen absoluten Gegensatz zum Rest des Songs darstellt. Geordnet. Ruhig. Eine gewisse Egalhaltung. Der Chorus hat sogar beinahe eine kindliche und folkähnliche Melodie. Aber das braucht der Song auch, da er sich ansonsten wohl total überladen anhören würde. Wie ein Ausgleich ist hier der Gesang – wenn man mal von dem brüllenden Dinosaurier absieht! Brüllender Dinosaurier? Ja! Neben den wilden Synthesizer-Melodien und der dazu konträren Männerstimme brüllt tatsächlich zwischendurch ein Dinosaurier im Hintergrund (vielleicht auch Monster...so genau kann man das ja nie festmachen). Warum auch nicht?! Kommt ja schließlich auch einer in den Lyrics vor, bei denen man sich nicht so richtig entscheiden kann, ob sie nun besonders poetisch oder besonders schwachsinnig ist. Wahrscheinlich beides! Auch in punkto Lyrics wird also das übergreifende Thema des Songs deutlich: Gegensätze. Chaotisch vs. geordnet. Schrill vs. ruhig. Und zwischen dem galaktischen C64-Raumschiff-Krieg und dem Dinosaurier kann man wohl auch ein dickes "vs." packen.
Trotz des anfänglichen Eindrucks eines Durcheinanders, kann man dem Song eine gewisse Monotonie zuschreiben. Die wilden Synthie-Klänge vom Anfang erstrecken sich über das ganze Lied und verändern sich im Verlauf auch nur minimal. Ebenso sind im Gesang kaum Höhen und Tiefen. Auf der anderen Seite baut sich der Song langsam auf und endet mit einem genialen Ende, das die chaotischen Synthie-Klänge und den gelassenen Gesang miteinander verbindet. Und dann wieder Peng! Schlagartig wie nach einem Schuss mit dem Wort "Bonefish" ist alles zu Ende. Auffällig ist an dem Lied außerdem, dass sich Animal Collective diesmal um einiges mehr im elektronischen Raum befinden, als bei vorangegangen Werken, wie z.B. dem Album "Campfire Songs" (2003), das stark von Akustikinstrumenten geprägt war. Insgesamt weicht das Lied auch vom ehemals experimentellen Anspruch ab. Auch wenn gerade der Anfang sehr durcheinander und verwirrt klingt, ist in Peacebone viel mehr Struktur und Geradlinigkeit zu erkennen, als in vielen Vorgängern. Dennoch sind improvisierte Soundcollagen live durchaus vorstellbar – wenn nicht sogar erwartbar. Ein Song also, der mit seiner ganz speziellen Art von großartigem elektronischem Horror gut zu Hause klingt und live noch viel mehr in sich haben könnte.
Im September erscheint dann das komplette Album „Strawberry Jam“ und man darf gespannt sein, wie weit sich Animal Collective in den elektronischen Raum wagen und ob sich die anderen Songs ebenso ein wenig von der ehemals experimentellen Ambition wegbewegen. (Mareike Neumann)
Künstler: [[http://www.myspace.com/animalcollectivetheband, Animal Collective]]
| Label: [[http://www.dominorecordco.com/site/index.php?page=artists&artistID=236, Domino]]
RÜCKSCHAU
ARCHIV
| WOCHE | Künstler/Band | NAME DES ALBUMS/SONGS | MUSIKLABEL |
|---|---|---|---|
| KW 11/2024 | Thérèse | No Right Time | X-Ray Production |
| KW 07/2024 | MAIKA | Little Lizard | Jazzhaus Records |
| KW 51/2023 | Francis | taxilicht | Raposa |
| KW 10/2024 | Die neue Zärtlichkeit | STRG+ALT+ENTF | recordJet |
| KW 04/2024 | Edgar Homeros | Please Be Careful | Cosmos Music |
| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |
| KW 50/2022 | PIEKE | PDAB | Mosaik Records |
| KW 48/2022 | Loshh | k | Don't Sleep Records / [PIAS] |




