
Cool bedeutet kalt. Klar, haben wir alle längst gewusst. Bekommt mit 18+ aber eine ganz neue Bedeutungsschwere. Das Duo besteht aus zwei lässigen, unfassbar glatten Personen, die sich in der Öffentlichkeit bloß "Boy" und "Sis" nennen. Er ist der kühle Kopf hinter den entspannten, unaufdringlichen Beats, sie ist die lässig, erotische Stimme. Sie spricht Texte purer Arroganz, meistens ohne dass sie im Studio überhaupt Text dabei hat. Und ihre Stimmfarbe lässt uns zweifeln: Haucht sie gerade oder rappt sie eigentlich schon?
Seit drei Jahren basteln Justin und Samia, wie die beiden richtig heißen, zusammen an Untergrund-Mixtapes. Jetzt bringen sie "Trust" raus, ihr Debüt auf Houndstooth. Und die englischsprachige Presse ist begeistert, dass diese beiden Unnahbaren auf einmal etwas von sich preis geben. Sie geben Interviews per Skype und im Hintergrund springt Saias Hund herum, gestehen, dass auch ihre Arbeit sich oft unvollendet anfühlt und sie nicht wissen, ob sie es schon bald schaffen werden noch mehr neue Alben herauszubringen. Endlich! Ein Stück Menschlichkeit! Denn die Sicherheit, dass die Kunst von 18+ noch Menschlich ist, bekommen wir durch das Hören ihrer Musik und schauen ihrer Videos sicher nicht.
Im Video zur ersten Single "All The Time" verschwimmt eine computeranimierte, halbnackte Frau mit einem Meer von Wellen und Natur. Die absolut unnatürliche Erotik wird eins mit der Anziehungskraft von Naturgewalten. Und genauso klingt "All The Time": Ein berauschendes Klirren und erotisches Hauchen zieht uns in den Track. Doch 18+ belächeln uns nur dafür, dass wir soeben auf ihre Anziehungskraft hereingefallen sind. Sis stößt ein arrogantes "Hah" hervor. Pure Arroganz. Die paar Textzeilen des Songs über simplen, reduzierten Beat-Strukturen und einer sich ewig wiederholenden, sphärischen Melodie kommen aufs erste Hinhören völlig gelangweilt daher. Aber du kannst nicht aufhören, hinzuhören. Fängst an mitzuwippen, drehst den Track lauter und möchtest mit ihm alleine sein.
Die Musik von 18+ wird viele von uns noch auf langen, einsamen Fußmärschen aus dem Club nach Hause begleiten. Sie ist der perfekte Soundtrack zum leicht unheimlichen Heimweg durch Großstadtschluchten, irgendwie noch euphorisiert von der Nacht und angetrieben von der Idee im Bett zu liegen, bevor die ersten Sonnenstrahlen kommen und diese Nacht ihre Magie verlieren könnte. (np)
RÜCKSCHAU
ARCHIV
| WOCHE | Künstler/Band | NAME DES ALBUMS/SONGS | MUSIKLABEL |
|---|---|---|---|
| KW 15/2024 | Morgan Harper-Jones | Lose A Tooth | Play It Again Sam |
| KW 11/2024 | Thérèse | No Right Time | X-Ray Production |
| KW 10/2024 | Die neue Zärtlichkeit | STRG+ALT+ENTF | recordJet |
| KW 07/2024 | MAIKA | Little Lizard | Jazzhaus Records |
| KW 04/2024 | Edgar Homeros | Please Be Careful | Cosmos Music |
| KW 03/2024 | weesby | morgen | self-released |
| KW 51/2023 | Francis | taxilicht | Raposa |
| KW 25/2023 | Skuff Barbie | Locker | 365XX |
| KW 19/2023 | Pano | Hang in | Selbstveröffentlichung |
| KW 08/2023 | Heartworms | Retributions Of An Awful Life | Speedy Wunderground / [PIAS] |




