Album-Rezension: "Decoding Birdsong" von Antony Szmierek

Von David Philipzen 

Woran glauben wir eigentlich? Dass Antony Szmierek sich als „Rave Poet“ für sein neues Album „Decoding Birdsong“ keine kleinere Frage als diese stellen würde, hätte man sich denken können. Es ist eine abstrakte Frage, die auch er selbst nicht ganz beantworten kann. Muss er aber auch nicht, denn es ist das „choosing to believe in something“, das die thematisch sonst zusammenhangslos wirkenden Songs zu einem Album verbindet. Also nicht, woran man glaubt, sondern dass man überhaupt an etwas glaubt.

Unter diesem Thema nimmt das Album einen mit auf eine Reise durch verschiedenste Lebenssituationen, viele von ihnen sehr banal. Im Opening Track „Chalk“ geht es um das Ziehen von Kreidelinien beim Spielen. Antony Szmierek weist den Situationen aber eine zweitere tiefere Bedeutung zu. In „Chalk“ etwa, wie Kleinigkeiten über Glück entscheiden können. Diese zweite abstraktere Ebene ist das, was das Album lyrisch ausmacht und was die einzelnen Lieder miteinander verbindet. Es geht um Glück, Einsamkeit, Hoffnung. Szmierek reflektiert dabei auch die Erlebnisse seiner letzten Jahre und speziell in der Musikindustrie.

Was in diesem Projekt heraussticht, sind die sehr bildlichen, metaphorischen Lyrics. „If your love has died a death, I’ll be the tearful bedside rosary“ singt er etwa in „Seminal“. Vorgetragen in relativ monotonem Spoken Word Stil, ist es der Kontrast mit dem dynamischen, elektronischen Instrumental, der den Lyrics Bedeutung verleiht. Das Album fühlt sich immer wieder melancholisch an, hat aber eigentlich eine positive Grundhaltung. Szmierek beschreibt zwar immer wieder schonungslos, wie die Menschen sich in der modernen Welt verlieren, aber er zeigt im Album eben auch einen anderen Weg – weniger aufgeregt, Unsicherheit und Zufälle aushaltend. 

Zufälle spielen insgesamt eine tragende Rolle in Szmiereks Erzählung. In „Seminal“ stellt er sich die Frage, ob Zufälle nicht doch zusammenhängen. Der Reiher aus „The Heron“ taucht in der Mitte des Albums in „The Same Heron Again“ plötzlich zufällig wieder auf. Vielleicht sieht man daran auch den kleinen humoristischen Touch, der sich durch das Album zieht. „If you can‘t teach, teach P.E.“ (Dave‘s Angling Superstore), „We wanted to see Godzilla up close, but the viewing platform was closed“ (Godzilla Hotel) – es gibt immer wieder kleine Lyrics, die bei den doch schon ernsten Themen leichte Momente schaffen. 

Gut tun dem Album auch die Features, die das Spoken Word durchbrechen und so neue Akzente setzen. In „Godzilla Hotel“ holt sich Antony Szmierek etwa 1-800 GIRLS dazu, auf „Flight Simulator“ Imogen and the Knife, auf „Dave‘s Angling Superstore“ MAX RAD und in „The First Five Minutes of Magnolia“ arbeitet er mit Pretty Girl zusammen. Besonders schön harmoniert es auf „Bookie‘s Favourite“ mit Ellur. Der melodische Refrain und die gesprochenen Strophen gehen hier fließend ineinander über und ergänzen sich interessant. 

Decoding Birdsong ist kein Album zum nebenbei hören, man muss sich schon darauf konzentrieren. Das Instrumental ist zwar dynamisch, aber unaufdringlich. Es haut einen allein vom Klang her nicht um. Das muss es aber auch nicht, denn der unaufgeregte Klang dient letztendlich nur als Oberfläche für die Texte von Antony Szmierek. Wer Interesse daran hat, tief in eine Auseinandersetzung über die Art, wie und wofür wir leben, einzutauchen, für den könnte dieses Album genau das richtige sein.

Foto: Zak Watson

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