Album-Review: „Roquestar“ von Alli Neumann

Von Lena-Johanna Cordes

 

Voller Energie steigt Alli Neumann mit dem Song „Ich kann gar nichts“ in ihr neues Album „Roquestar“ ein. Dabei spielt sie voller Selbstironie mit ihren Schwächen. Sie beschreibt sich als „zu laut“ und einfach „anders“ als die anderen. Das ist für sie aber gar nicht schlimm – denn diese Imperfektion macht sie zu dem, was sie ist: sie selbst.

„Weil ich bin wie, wie ich bin Ja, weil ich bin, wie ich bin“

Vor dem, was sie ist, muss Alli Neumann sich schließlich auch nicht verstecken: Obwohl sie mit 14 die Schule abbrach, holte sie später ihr Abi mit einem 1er-Schnitt nach. Die 30- Jährige ist außerdem nicht nur Sängerin, sondern auch Schauspielerin und Model. Trotzdem zieht sich durch die elf Songs auf ihrem neuen Album vor allem Selbstkritik. Denn in Liedern wie „Schattenboxer“ stimmt Alli Neumann einen melancholischeren Ton an: Die ständigen Zweifel an ihren eigenen Fähigkeiten enden in einem Kampf gegen sie selbst.

„Schattenboxer - Wieso lässt du mich nie gewinn - Hol mich aus dem Ring“

Die Botschaft der Sängerin ist klar: Anstatt immer nur alle anderen zu hypen, sollte man auch für sich einstehen und kämpfen, da man viel zu streng mit sich selbst umgeht.

„Wirst genauso für dich kämpfen wie für alle anderen“

Alli Neumann ist auf einem Bauernhof in Nordfriesland aufgewachsen. Bis heute bevorzugt sie ländliche Gegenden. Um ihr Album zu produzieren, hat sie sich ein Jahr als Selbstversorgerin in den deutschen Norden zurückgezogen.

Dass sie diese Lebensweise dem Materialismus bevorzugt, zeigt sich auch in ihrem Song „Versailles“. Egal, wie schön und prunkvoll ein Leben im Ruhm aussehen kann, „Geld macht doch nur Geldprobleme weg“. Der Schmerz und die Probleme vergehen nicht durch Reichtum. Letztendlich muss man sein Glück auf einem anderen Weg finden.

Vielleicht besteht dieser Weg auch darin, der Realität zu entkommen und in eine andere Dimension zu entfliehen. Das Gefühl, die echte Welt und die Probleme für einen Moment durch Liebe verschwinden zu lassen, beschreibt Alli Neuman im Song „Vom anderen Stern“. Sie singt in diesem Lied von der Sehnsucht und dem Zustand, frisch verliebt zu sein.

„Bin dir so nah, komm, wir reisen fern - Baby, lass dich fall'n, um fliegen zu lern'n"

Durch Alli Neumanns drittes Studioalbum ziehen sich die ungewöhnlichen Klänge von Cembalo und Fagott. Ihre Texte ermutigen dabei, anders zu sein. Statt Perfektionismus predigt sie, seiner Unangepasstheit und Individualität Raum zu geben.

Ab November ist sie mit „Roquestar“ auf ihrer "Zurück auf die Erde"-Tour.

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