Cover: Mr. Mitch - Don't Leave

Grime – das heißt auf deutsch soviel wie Schmutz. Unbehandelt und sperrig, bleibt er lange dort haften, wo er soll.
Mr. Mitch alias Miles Mitchell extrahiert in seinen „Audio-Bauten“ gezielt diese rohen, dreckigen Gefühle und schickt sie als langsame, kraftvoll rollende Maschine aus düsteren Elektrobeats auf den Weg.
„Don't Leave Me“ heißt der hypnotische Track, den der 26-jährige Londoner so berechnend aufbaut, als wäre es eine mathematische Gleichung mit Zugang zur Unendlichkeit.
Dabei trennen Ellipsen aus dumpfen und gleichmäßigen Basslinien punktgenau, während „Synthesizer-Spitzen“ und 8-Bit „Sample-Loops“ ein finsteres Korsett verpasst bekommen.
Wer beim Einsetzen der gebetsmühlenartig wiederholten Lyrics ein kurzes Flackern in seinem musikalischen Gedächtnis verspürt, der darf sich getrost auf die Schulter klopfen.
Denn schon 1996 nahm die RnB Kombo „Blackstreet“ das drohende Aus einer Beziehung als Anlass für ein "Don't Leave".
Was bei „Blackstreet“ aber noch als romantisch-softer Rettungsversuch durchgegangen ist, wird bei Mr. Mitch fast zum metallisch-verzerrten Flehen zwischen unterkühlten Klangwellen.
Es ist eher die grobe, ungeschliffene Angst vorm allein sein, verpackt in einen minimalistischen Ansatz, die hier wie ein bedrohliches Mantra widerhallt.
Ein loser Gedanke, der zwischen unnachgiebigem Takt und kristallklaren Sounds gefangen scheint und sich dabei als gläsernes Echo im eigenen Kopf einnistet.
Kein leichter Zugang also. Komplett ohne Gebrauchsweisung und versöhnlichem Ende. Dafür aber mit schleichender Tiefenwirkung, die ihr volles Potenzial erst entfaltet, wenn man sich schon in ihr verloren hat. (cs)

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