Cover: Leon Vynehall

Immer wieder gerne in Musikbesprechungen genommen: Wettermetaphern. Alben, die nach „frischer Frühlingsluft in den Kitzbühler Alpen“ duften. Songs, die „melancholisch getrübt“ sind wie „ein stürmisch kalter Oktobertag“. Heute: Sommeredition! Zukuftsmusik, die wärmt wie der hitzegetränkte Strandsand nach Sonnenuntergang.

Der britische Produzent Leon Vynehall aus Brighton ist kein Unbekannter der House- und Elektroszene mehr – spätestens mit der „Music For The Uninvited“ vor zwei Jahren konnte er mit seinen tropischen Hymnen und subtilen Tracks viele Fans für sich gewinnen, auch wenn seine Musik eher unaufdringlich, fast ein wenig zärtlich wirkt. Seine House-Tracks sind wie ein großes, weiches Sprungtuch für die Nacht - mit funky Subtext, warmen Beats und die Gradlinigkeit in den Arrangements. Eine Melange, aufgefächert zwischen sommergebräunten Beats und entspannten Atmosphären, die sich mit Aufregung vornehm zurückhalten.

Die Single, die gleichzeitig auch der herausragende Track der just erschienenen Doppel-12‘‘ „Rojus (Designed To Dance“ ist, kommt ein wenig fordernder daher, was an der analog warmen Holzpercussion liegt, die diesem klassischen Track fast etwas Balearisches und Retrofuturistisches verleiht. Hier paart sich versonnene Harmlosigkeit im Doppel mit der Schlichtheit von althergebrachtem Detroit House. Es zeigt sich dabei einmal mehr seine Variabilität, denn die Palette seiner Einflüsse reichte auf den Vorgänger-Singles bereits von NuJazz bis Disco. Auch wenn dardurch bisweilen die große Wiedererkennbarkeit eines eigenen Stils darunter etwas leidet, ist Leon Vynehall einer, der gerne bleiben darf. Ein leichtgängiger musikalischer Sommertraum für laue Nächte, die wir uns alle bereits herbeisehnen. Er weiß schon genau, warum er sein Werk „Rojus“ getauft hat. „Rojus“ beutet auf Litauisch soviel wie „Paradies“ oder „Himmel“. (mw)

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