Cover: Gallant

Ein bisschen pathetisch ist es schon, wenn er sich als Künstler mit dem „sad face“ betitelt und mit Goldstaub einen traurigen Smiley über sein Coverfoto legt. Christopher Gallant vermarktet sich prächtig als introvertierter Zweifler unter den R’n’B-Sänger und vermeidet so alles Protzige, alles Jahrmarktschreiende und jegliches aufgesetzte Blingbling. Bei aller geradegebogenen Produktion seines Debütalbums „Ology“ ist genug Platz für Ehrlichkeit und sympathisches Understatement, was sich wohltuend vom ganzen Soulpop-Rest abhebt. 

Vielleicht ist Gallant deswegen auch am ehesten mit Miguel zu vergleichen, der statt ewiggleichem Wiederkauen männlich-dominierender Stereotypien in der schwarzen Musik einen anderen Ansatz wählt: Gleichberechtigung stärken, emotionales Schwachsein zulassen. Wenn Gallant dann niedergeschlagen singt „Was nützt ein Schwert gegenüber einer Schrotflinte?“, dann weist das in dieselbe Richtung: Aufgebehren in einem Kontext der realistischen Reflexion. Niemals geraten seine Texte dabei zu flach, haben immer einen mehrdeutigen Ansatz. 

Den Rest erledigt seine eingängig-solide Soulstimme, die bei aller Selbstbeobachtung und latenter Verzweiflung Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahlt und verrät, dass dieser junge Musiker viel R’n’B der 80er- und 90er-Jahre gehört hat. Dass er dabei nicht in einen nostalgischen Hinterhalt verfällt, sondern weitestgehend zeitgemäß klingt, ist der freundlichen Mainstream-Produktion zu verdanken, die hier aber alles andere als störend wirkt. Für das Debüt wählte Gallant noch ein frisches Independent-Label – es würde überraschen, wenn er bei gleichbleibender Qualität demnächst in größeren Kategorien denken kann. Dann vielleicht mit einem Smiley-Smiley auf dem Cover. (mw)

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