Cover: Fatima -- La Neta

Fatima ist einfach gegangen, ausgewandert, abgehauen. Eigentlich kommt sie aus Schweden - aus Stockholm, um genau zu sein. Mittlerweile hat sie die Hauptstadt gewechselt. London ist ihre neue Wahlheimat. Das Altbekannte war nicht ihres. Fatima ist mutig. Ihre Identität ist nicht an Grenzen geknüpft. Das gilt auch für ihre Musik. „I know what I want and my mind is strong“, singt sie in ihrer Single „La Neta” – zu Deutsch “die Wahrheit”. Sie macht, was sie will. Das ist wahr.

Fatimas Musik kennt kein Genre, nur viele. Ein Schmelztiegel. Mal zum Bewegen, mal zum Nachdenken. Mal sehr organisch wie in Biggest Joke Of All, mal voller Synthies und Hallfahnen wie im Song Mind. Ihre neuste EP Still Dreaming, die beim traditionsreichen Jazz-Label „Blue Note“ erschienen ist, vereint auf fünf Tracks von allem ein bisschen und davon sehr viel.

Groovige Bassläufe injizieren besagten Jazz in jede Note der Stücke, während sehr strukturierte Klavierbegleitungen und Percussion-Elemente das Ganze unkompliziert, einfach, tanzbar machen. Ein Hauch von R’n’B kommt auf, allerdings viel durchdachter als aus den frühen 90ern gewohnt. Und dann sind da noch die Beats. Drums, die nach der Zigarette im Morgenrot als Abschluss der Klubnacht klingen. Wie in Zeitlupe ziehen sie sich durch die Strophen, haften an ihr, nur um kurz zu pausieren und mit einem nicht antizipierbaren Taktwechsel wie in La Neta den Refrain plötzlich aufgehen zu lassen.

Zu voll sind alle Songs nicht. Immer ist Raum da. Raum für Fatimas Gesang. Der ist purer Soul. Ästhetisch, entspannend, intelligent. Melodien, die sich wie Umarmungen anfühlen. Sie zweifelt an sich selbst, sie beklagt ein gebrochenes Herz, sie hadert mit ihren Entscheidungen, ihrem Werdegang, der Gesellschaft. Fühlt sich an wie Großstadt. Doch wenn Fatima singt Living here enough can sometimes feel so very heavy“, dann klingt trotzdem eine gewisse Leichtigkeit mit. Denn gleichzeitig vermischt sich das Bedrückende immer mit einem Optimismus, den Fatima durch ihre Songs treibt. Die Grenzen sind fließend.

(Jonah Lemm | eldoradio*)

 

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