Evian Christ - Salt Carousel
Nur unter Druck entstehen Diamanten. Mit diesem Leitspruch im Gepäck hat sich Produzent Evian Christ aufgemacht, 2014 zu seinem Jahr zu machen: Eine neue EP auf Tri Angle ist Ende Februar geplant, am Debüt-Album wird gewerkelt und der Publishing-Deal mit Kanye Wests Label "G.O.O.D. Music" ist längst unter Dach und Fach – kein Wunder, war Evian Christ bereits auf Kanyes "Yeezus"-Album bei einem Track als Co-Produzent tätig.

Und trotz alledem ist klar: Evian Christ wird einer großen Öffentlichkeit wohl nie bekannt. Zu publikumsscheu agiert er, zu wenig auf eigenständige Songs ist seine Musik ausgelegt, die kaum mehr als bloße Skizzen und die Basis für Raps der Superstars sind, deren Veredelungen den Cashflow hochhalten. Es ist vielleicht das absurde Schicksal der Beatmacher unserer Zeit, dass nur wenig Ruhm für sie selbst abfällt, während sich andere für den zeitgemäßen Klang von der Presse feiern lassen.

Evian Christs Karriere währt nun bereits ein paar Jahre, ein paar nebulöse und klumpige Remixe lang. Im Untergrund werkelt der 24-jährige Joshua Leary bereits seit 2011, doch scheint „Salt Carousel“ sein bislang kompromisslosestes, druckvollstes Werk zu sein. Scharfkantige Beats, dumpfdröhnende Bässe und dazwischen immer seelenvolle Flächen aus Synthesizern und subtilen Melodien. Seine Tracks erinnern bisweilen an den Innovationswert von Prodigys „Out of Space“ in den 90er Jahren – nicht nur bloß, weil ein Sample (oder bloß ein Verweis darauf) auch auf Evian Christs Single den Referenzrahmen weit aufstemmt, der ansonsten von Trap- und Bassmusik-Produzenten wie TNGHT und Co. bereits aufgefüllt wird.

Das Ganze in steter Erinnerung daran, wie sehr sequenzerlastig doch die heutige Popmusik ist. Denn technisch, kühl und quantisiert sind auch die Tracks von Evian Christ, die ihre digitale Produktion erst gar nicht verleugnen. Dabei werden sie mit ihrer Schrägheit und den etwas nervigen Quietsche-Sounds dieses Jahr wohl kaum einen Preis für Krassheit gewinnen. Zu sehr ist Evian Christ gerade damit beschäftigt, seinen Klang auch an die etwas konservativere Kundschaft zu bringen - koste es auch den Preis der eigenen Unsichtbarkeit. Die restlichen Nörgler und Leisetreter werden notfalls gnadenlos plattgewalzt. (mw)

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KW 12/2011 The Weeknd House Of Balloons siehe Text
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