14th - sweet lies

Werden die Letzten die Ersten sein? 14th aus London machen kontrolliert unterkühlte Popmusik, wie sie als Entwurf seit zwei Jahren, spätestens aber seit den Erfolgen von The XX, FKA Twigs oder Banks als salonfähig gelten muss: Bedächtig, immer das Innere suchend und mit einer abstrakten Melancholie behaftet, die einen Kontrast zur launigen Eingängigkeit sucht, die der instrumentale Untersatz anbietet.

Für genau den hat sich inzwischen Tom Barber mit Jack Sugden verstärkt. Sie produzieren gemeinsam freundliche Synthies, die leise flüsternd ins Ohr schleichen und tröpfeln karg-fortschreitende Beats darüber, die den Raum dazwischen bewusst nicht definieren – so wie sie es von James Blake gelernt haben. Eine typisch The-XX-mäßig verhallte Gitarre schaut auch vorbei. 14th variieren den Pop im Jetzt, sie innovieren nicht.

Richtig überzeugend wird es erst, wenn die dunkle, erdige Stimme von Tracey Duodu einsteigt, die gereift, aber jugendlich daherkommt und sich wunderbar ins Gesamtbild einfügt. „Sweet Lies“ gerät so ganz unverstellt zum Spielball ihres weiblichen Popverständnisses: Einschmeichelnd, sexy, aber immer auch ein wenig konservativ. Zwar mag der Selbstbetrug auf textlicher Ebene („tell me what I need to hear, tell me sweet little lies“) hier keine devote Unterwerfung, sondern ein selbstüberzeugtes Spiel mit Illusionen und Konventionen der zwischenmenschlichen Beziehungen darstellen, ist aber eben auch weit von Erkenntnis und Relevanz entfernt.

Bislang ist von dem 2015 erscheinenden Debüt nur dieser eine Song veröffentlicht und man wünschte sich für dieses Werk, dass es mehr von der Kraft der drei Jahre alten EPs enthält, auf denen Tracey die Vielseitigkeit ihrer brüchigen und kantigen Stimme unter Beweis stellt. Hoffentlich sind sie sich die Drei der Stärken ihrer Anfangstage bewusst und schlagen damit die Brücke zur Zukunft.

 

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