Sløtface - Try Not To Freak Out

Bitte jetzt nicht verrückt werden: Sløtface veröffentlichen ihr allererstes Album. Kaum zu glauben, ist die Band doch seit Ewigkeiten auf den Playlisten guter Musik zu finden. Jetzt – nach vier EPs – kommt endlich der Langspieler mit zehn Tracks voller Punk aus Norwegen: Try Not To Freak Out.

Das Album startet direkt mit einer Störung. Gitarrist Tor-Arne Vikingstad hatte wohl noch mit dem Verstärker zu kämpfen als die Aufnahme bereits lief. Zum Beginn von Magazine ist nämlich ein ekeliges Piepen zu hören, dass Hörerinnen und Hörer nicht zuletzt daran erinnert: Achtung, jetzt wird’s laut, punkig und politisch!

Sängerin Haley Shea zerreißt in Magazine vorgefertigte Rollenbilder: „What the hell is an it-girl anyway? / How do I get it, lose it, have it, want it? / I think I’m done with this part / I quit, I quit.“ Sløtface sind nicht nur Band, sondern auch Aktivisten. Sie haben sich in der Vergangenheit in Songs und Videos u.a. für den Umweltschutz und die Rechte von Frauen eingesetzt. In Magazine wiederholt Shea immer wieder: „Patti Smith would never put up with this shit.“ Damit adelt sie die Punk-Ikone Smith, die sich in den 1970er Jahren für die Gleichberechtigung der Frau einsetzte. Nancy Drew ist ein ähnlicher Track, welcher der US-amerikanischen Buchheldin gewidmet ist, die als Detektivin zahlreiche Kinder begeistert.

Try Not To Freak Out begeistert ebenfalls – nicht nur durch Aussagen, sondern auch durch die Arrangements der Songs. Die sind perfekt für den spontanen Moshpit, weil die vier Norwegerinnen und Norweger oft Rhythmuswechsel mit einem Instrumental kombinieren (Night Guilt, Nancy Drew). Dann fordern Bassist Lasse Lokøy und Schlagzeuger Halvard Wiencke geradezu dazu auf, sich die Schultern aneinander zu rammen. Slumber bietet den im Punk typischen Mitgröl-Sound. Der Song fängt zwar vergleichsweise sehr minimalistisch an: nur Bassgitarre und Gesang; wenn die Band allerdings im Refrain im Mehrstimmengesang loslegt, fällt es schwer, nicht mitzumachen.

Spätestens durch Pitted weiß dann auch jeder, wie eine Feier mit Sløtface aussieht: viel Tequila und Prosecco, verrückte Partyspiele und Charthits. Es ist der Partytrack auf Try Not To Freak Out. Shea singt davon, wie sie auf eine Feier geht, auf die sie eigentlich gar keinen Bock hat. Da läuft dann Queen, obwohl sie lieber Beyoncé hören würde („And there’s that song on, I hope for Queen B / But I can fake it to Bohemian Rhapsody“), später tanzt sie dann noch zu Drake („And we’ll dance like our dads doing our Hotline Bling thing“).

Es sind drei Ps, die Try Not To Freak Out am besten beschreiben: Politics, Party and Punk! Das Onlinemagazin NME interpretiert den Albumtitel deshalb auch nicht als ironisches Lob, nach fünf Jahren Bandgeschichte endlich ein Album rausgebracht zu haben. Viel mehr sei das Debüt eine Reaktion auf die aktuelle politische Weltlage. Frei nach dem Motto: Trotz Trump, Brexit und globalem Rechtsdruck muss die Party ja weitergehen. Ganz so leicht macht es sich Sløtface allerdings nicht. Auf ihrer Facebook-Seite rufen sie nicht zur Party, sondern zum Protest auf: „Let's make 2017 and 2018 something truly special, go to shows, join a protest, speak up.“

(Julian Beyer, eldoradio*)

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