Schlakks - Indirekte Beleuchtung

Der Plattenspieler steht noch im Club des Vorabends. Nicht verloren, immerhin, aber Kilometer weit weg. Schlakks, und die Beatmacher Opek und Razzmatazz sind schon bei der nächsten Station auf ihrer Tour in Ostdeutschland angekommen. Und nun? Mitfahrzentrale. Etwa so: „Nein, wir fahren nicht mit, wir benötigen nur den Kofferraum.“ Bis zum Gig war die Anlage da. Trotzdem: Wäre Schlakks selbst mitgefahren, hätte er wahrscheinlich geschimpft, obwohl es in dem Fall wirklich schnell gehen musste. „Ich fahr’ die Karre für den Rest der Tour. 120, rechte Spur. Ey, vielleicht kennst Du mich noch nicht. Ich bin der erste deutsche Rapper, der für Tempolimit ist“, sagt der Dortmunder auf Murakami vom neuen Album Indirekte Beleuchtung.

Schlakks haut dagegen, bricht mit Erwartungen. Deshalb steht Karre hier auch als Synonym für seine Haltung. Meine Musik bleibt anders als das, was ihr macht. Das war sie schon immer: Lyrik statt Punchlines, Politik statt Plattitüden. Auf Indirekte Beleuchtung rappt Schlakks über Stammtisch-Parolen, die mangelnde Bereitschaft der Deutschen zur Integration, Nationalismus, und Diskriminierung von MigrantInnen und JournalistInnen. Es geht um mehr als um Borussia, Graffiti, Battles mit anderen Rappern und Pils (Schlakks trinkt auf dem neuen Album mindestens genauso viel Kaffee wie Bier). Damit unterscheidet er sich deutlich von der Dortmunder Rapszene. Schlakks ragt heraus wie der U-Turm – konstant und leuchtend.

Auf dem neuen Album erzählt er persönliche Geschichten. Von dem Besuch bei seinem Vater in Hausnummer 15, von dem er sich über die Jahre entfernt haben muss: „Schulterklopfen, kurz warten, vielleicht genug. Und dann doch noch Umarmung, weicher Druck. Dann noch die Frage, ob ich gleich wieder weiter muss? Ne, ich bleib grad fürn Stündchen, ich hab’ Zeit genug.“ Von der Fahrt im Nachtzug, in dem er diese Frau trifft: „Mir kommt ein Mädchen entgegen, vielleicht Anfang 20. Mit diesem einen Blick, der mir so verdammt bekannt ist. Wenn sich das Staunen neu und gierig auf die Iris legt.“ Vom Großwerden in seiner Heimatstadt, in der er verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, sich kreativ entfalten zu können auf Subkultur.

In der Dortmunder Nordstadt hat Schlakks unter anderem mit Kumpel Razzmatazz ein Kulturcafé aufgemacht, mittlerweile gibt es schon den zweiten Laden. Mehr Platz für die Subkultur. Was er in seinen Songs fordert, setzt er um. Real heißt das in der Rapsprache. Aber das würde Schlakks nicht gefallen, weil er das Rapbusiness zu Großteilen ablehnt, zu sexistisch, zu gewalttätig. Aber muss Musik denn zwingend politisch und auch politisch korrekt sein? Für Schlakks, Opek und Razzmatazz stellt sich diese Frage erst gar nicht, da die Antwort schon lange feststeht.

Deshalb ist Indirekte Beleuchtung inhaltlich keine Veränderung zu den zwei Alben und einem Mixtape zuvor. Stilistisch leben die Drei in einer autarken Symbiose. Jeder arbeitet eine Idee für sich alleine um, Opek am Schlagzeug und an den Beats, Razzmatazz an den Plattentellern und Schlakks an den Lyrics. Erst später wird diskutiert und die einzelnen Produkte - die funkigen, jazzigen Sounds mit Schlagzeug und Text - vermischt. 18 Tracks sind auf Indirekte Beleuchtung, einmal sind sie von ihrem bewährten Workflow abgewichen. Auf Der Stoff, aus dem singen sie die Hook zu dritt. Dafür habe sie nach eigener Aussage über zwei Tage gebraucht. Schlakks, Opek und Razzmatazz: ein Rapper, der für Tempolimit ist, und zwei Produzenten, die singen.

(Julian Beyer, eldoradio*)

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