Rhye - Blood

Dank Rhye weiß man jetzt endlich, wie sich Weltraum-Musik anhören würde – wenn man denn dort etwas hören könnte. Denn Rhye schwebt auch mit seinem zweiten Album Blood musikalisch in ganz anderen Sphären. Der unglaublich schwerelose Hauchgesang von Mike Milosh, der beim ersten Hören fast wie eine weibliche Stimme klingt, bleibt weiterhin das Markenzeichen von Rhye, auch wenn sich Mitproduzent Robin Hannibal 2017 vom Duo verabschiedet hat.

Auch der minimalistische R‘n’B - Sound à la The XX vom Debüt Woman ist geblieben. Rhye gleitet eher in einer kleinen Kapsel verträumt durchs All, große Weltraumschlachten sucht man vergeblich. Trotzdem sorgt der vielfältige Klangteppich, der nur mit live eingespielten Instrumenten erzeugt wird, besonders am Anfang und am Ende von Blood dafür, dass Rhye nicht vollkommen abhebt. Bei Tracks wie Taste beginnt der Song anfangs eher simpel, doch mit der Zeit entdeckt man immer mehr interessante Elemente, die stetig Spannung aufbauen, um dann nur mit Geigen, Klavier und Miloshs himmlischer Stimme zu enden. Feel Your Weight hingegen kriegt durch seine Gitarre sogar eine funkige Note.

Bei den Lyrics ist der Frauenrücken auf dem Albumcover Programm: Es geht um Liebe. „I think you heard me wrong, I hear your eyes / I think it came out wrong, a pillow of lies” entschuldigt sich der Partner auf Please für ein Missverständnis. „'Cause you're my favorite place to bleed“ fasst Rhye die Sehnsucht nach Herzschmerz in einem Satz zusammen. Andererseits möchte er die Wunden des Partners auch lindern („I really want you to know I'll heal you“).

Besonders in der Mitte des Albums wirkt dieses altbekannte Musik-Motiv der Beziehungen zusammen mit Rhyes immer gleich zurückhaltender Stimme und sehr minimalistischen Instrumentalisierung leicht eintönig. Dabei beweist Milosh mit Phoenix, dem Highlight am Ende des Albums, dass er in der Lage ist zu experimentieren und trotzdem nichts von seinen charakteristischen Merkmalen zu verlieren. Der Funk-Einschlag kehrt dabei wieder zurück und Miloshs Gesang wird immer eindringlicher, ohne zu übertreiben. Man wünscht sich danach, dass Rhye auf Blood immer so viel wagen würde.

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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