Palace Winter - Nowadays

Von der Winterdepression hat bestimmt jeder schonmal gehört. Auf ihrem neuen Album propagieren Palace Winter jedoch eine andere Art von Schwermütigkeit: Die Sommer-Melancholie. Obwohl das Werk Nowadays heißt, schwelgt das dänische Duo in der Vergangenheit – vor allem in ihrer Jugend, die nun endgültig vorbei ist. „Nowadays you feel your age“ singen sie etwa in The Accident.

Allgemein geht es auf Nowadays viel um Verlust. In Take Shelter brennt ein Haus nieder und alles, was die Familie hatte, wird zerstört. Untermalt wird das von schweren Klavier- und Synthesizerklängen und einem eher langsamen Tempo. Das lyrische Ich stellt die Frage, ob das Leben noch lebenswert ist und kann sie nicht eindeutig beantworten. Baltimore hingegen beschreibt das Gefühl, dass alles Gute schon hinter einem liegt: „A life lived moving in reverse is strange / It's like I'm always looking back these days“.

Melancholisch kann aber trotzdem auch dynamisch klingen. Come Back (Left Behind) schafft das mit seinen energiegeladenen Gitarren, während The Ballroom auf treibende Drums setzt. Trotzdem geht es bei beiden Songs noch um Sehnsucht und Einsamkeit.  Palace Winter finden gerade diesen Gegensatz zwischen leichterer Melodie und schwermütigen Inhalt besonders spannend, wie sie in einem Interview verrieten: „[…] There is often a lightness to our songs so it was really interesting to load it with bigger themes we have to deal with in everyday life.“ Schade ist nur, dass Kenopsia als letzter Track und nicht als Interlude gewählt wurde, da er das Momentum der anderen Songs mit seinen einschläfernden Orgelklängen eher zunichtemacht.

Palace Winter werden oft mit der amerikanischen Band The War On Drugs verglichen. Mit Nowadays haben sie jedoch auf ganz eigene Weise geschafft, unsere Faszination mit dem, was gestern war, traurig schön verpackt einzufangen.  Wie F.Scott-Fitzgerald schon sagte: „So kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom, und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit.“

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

Der Silberling der Woche ist eine Kooperation der Campusradios
CT das radio, Campus FM und eldoradio* unter dem Dach der Campuscharts.
Daher findet ihr hier jede Woche eine Rezension zu einem besonders interessanten Album, wechselweise von den Musikredaktionen dieser drei Campusradios verfasst.
Checkt auch: www.silberlingderwoche.de

RÜCKSCHAU

KW 46/2018
Razorlight Olympus Sleeping
KW 43/2018
Lambert & Dekker We Share Phenomena
KW 41/2018
Agar Agar The Dog & the Future
KW 40/2018
Botticelli Baby Junk
KW 38/2018
Pari San R.I.P. Identification

ARCHIV

WOCHE Künstler/Band NAME DES ALBUMS/SONGS MUSIKLABEL
KW 46/2018 Razorlight Olympus Sleeping Atlantic Culture Records
KW 43/2018 Lambert & Dekker We Share Phenomena Warner
KW 41/2018 Agar Agar The Dog & the Future Grönland Records
KW 40/2018 Botticelli Baby Junk Unique Records
KW 38/2018 Pari San R.I.P. Identification FlyingCarpetRecords
KW 37/2018 Schlakks Indirekte Beleuchtung Mole Rat Music
KW 36/2018 Anna Calvi Hunter Domino
KW 35/2018 Joey Dosik Inside Voice Secretly Canadian
KW 34/2018 Tirzah Devotion Domino
KW 33/2018 Ben Khan Ben Khan Caroline