Janelle Monae - Dirty Computer

"Tonight, I am proud to stand in solidarity as not just an artist, but a young woman, with my fellow sisters in this room who make up the music industry“. Mit diesen Worten leitete Janelle Monáe ihre Ansprache bei den diesjährigen Grammy-Awards ein. Damit ergreift auch sie Wort in der Time’s Up-Bewegung, die im Zuge der Weinstein-Affäre entstand. Denkt man an Musikerinnen, die für ein starkes Frauenbild in der Öffentlichkeit stehen, so fallen einem als erstes Namen von Pop-Ikonen wie Beyoncé oder Rihanna ein. Dabei haben die wenigsten von uns Janelle Monáe auf dem Schirm, die sich seit Jahren für die Rechte von afroamerikanischen Frauen einsetzt. Weiter heißt es in ihrer Ansprache: "Just as we have the power to shape culture, we also have the power to undo the culture that does not serve us well.“

Ihre Grammy-Rede gab nur eine Vorahnung auf die Thematiken, die der 32-jährigen eigentlich am Herzen liegen. So scheint die Ansprache nur der Anfang einer großen Bewegung gewesen zu sein, denn auf ihrem neuen Album Dirty Computer, welches Ende April erschienen ist, setzt die Künstlerin ihre Brandrede fort. Ihre nunmehr dritte LP greift all die Thematiken auf, die gerade jetzt wieder vermehrt für Aufmerksamkeit im öffentlichen Diskurs sorgen: Feminismus, Rassismus, (nationale) Identität, Selbstliebe. Die Idee für das Album hat Monáe schon seit den Anfängen ihrer Karriere begleitet. Doch erst jetzt, fünf Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums, angetrieben durch politische und gesellschaftliche Umstände hat sich die Künstlerin an die Verwirklichung ihrer Vision herangetraut.

Wie Monáe in einem Interview erklärt, ist bereits der Albumtitel eine Anspielung auf eines der Leitmotive auf Dirty Computer. „With Dirty Computer I wanted to make an album for all the dirty computers of the world; for those who were told, that they have bugs and viruses“. Der Albumtitel steht für Individualität und Identität und soll diejenigen vereinen, die sich aufgrund ihrer Wesensart von der Masse abheben. Dirty Computer soll Menschen dazu ermächtigen, ihre Persönlichkeit wertzuschätzen und auszuleben, ohne sich dafür verstecken zu müssen. Dazu gehören Songs wie der eröffnende Titel Dirty Computer, I Like That oder Americans.

Stücke wie Pynk, I Got The Juice, Screwed und Make Me Feel bewegen sich hingegen in eine ganz andere Richtung. Hier geht es Monáe um die Zelebration der Weiblichkeit und der sexuellen Freiheit - und das macht sie auch ohne Umwege sehr deutlich. „Pink like the inside of your baby“ haucht Monáe in Pynk vor sich hin und besingt damit zusammen mit Musiker-Kollegin Grimes das weibliche Geschlechtsorgan. Nicht zu vergessen ist dabei die Performance, die sie mit ihren Tänzerinnen in dem dazugehörigen Musikvideo hinlegt. Gekleidet in pinke Kostüme, die die Vulva nachstellen, feiert sie die Weiblichkeit, ohne es dabei ins lächerliche zu ziehen.

In Screwed hingegen eröffnet die Sängerin in Unterstützung von Zoë Kravitz wieder ein ganz anderes Frauenbild. Wie der Titel schon nahelegt, geht es um Sex. „See, if everything is sex/ except sex, which is power/ You know power is just sex, you screw me and I’ll screw you“, singt Monáe. Das Klangbild des Songs ist funky und spaßig; das Ganze wird zusätzlich durch ein naives Kichern der beiden Künstlerinnen hinterlegt. Zum Glück ist Screwed auf Dirty Computer der einzige Ausrutscher seiner Art, denn der Song relativiert Monáe’s Botschaft, die das Album bis dahin durchgängig propagiert.

Auf Dirty Computer präsentiert Monáe ihr ganzes Können: von R&B, Funk bis hin zu Rap sind auf dem dritten Album nahezu alle Genres vertreten. Vorbei sind die Zeiten des Big-Band-Sounds: Dirty Computer überzeugt durch einen poppigen Sound, der stark an Ikonen wie Madonna, Beyoncé oder Monáe’s verstorbenen Freund und Mentor Prince erinnert. Auch wenn die Thematik des Albums sich auf Dirty Computer nunmal in den Vordergrund drängt, schafft es die Künstlerin dennoch nicht überschwänglich und aufdringlich zu wirken. So ist sicher, dass Dirty Computer für längere Zeit in Erinnerung bleibt: wenn nicht musikalisch, so zumindest inhaltlich.

Isabela Przywara (CT das radio)

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