Frankie Cosmos - Vessel

Verträumt, ehrlich, unkonventionell, das sind drei Wörter, die das neue Werk von Frankie Cosmos ziemlich gut beschreiben. Obwohl Vessel erst die dritte LP unter diesem Namen ist, hat Greta Kline auf Bandcamp unter „Ingrid Superstar“ oder „Zebu Fur“ schon gefühlt 50 andere Mixtapes veröffentlicht. Während andere abends bei Netflix entspannen, schreibt Greta Kline in jeder freien Minute Songs.

Dabei hätte man wohl bei der Tochter von Oscar-Preisträger Kevin Kline eher damit gerechnet, dass sie in seine Fußstapfen tritt und Schauspielerin wird. Mit Frankie Cosmos bricht Greta jedoch in mehr als einer Art und Weise mit den Erwartungen. Die Songs auf Vessel halten sich nämlich weder an traditionelle Songstrukturen von Strophe/Refrain, noch bleiben der Rhythmus und das Tempo während der ganzen Lieder gleich. Stattdessen wechseln Tracks wie Caramelize immer wieder zwischen langsamen und schnellen Passagen. Dazu kommt dann noch Greta Klines Stimme, die alles mit einem Hauch Zuckerguss überzieht.

Doch ganz so unbedarft, wie sie wirkt, ist die 24-Jährige dann doch nicht. Ein Blick auf die Lyrics von Vessel verrät, dass Kline auch mit den ganz normalen Problemen einer jungen Frau zu kämpfen hat. Apathy thematisiert zum Beispiel die Angst, dass die Person, die man anhimmelt, nicht dasselbe für einen empfindet: „When you close your dreamy eyes / Are they even close to dreaming of mine?“. In Accomodate singt Kline hingegen über die Verbindung zu ihrem Körper und beschreibt ihn als Last.

Vessel ist also ein sehr persönliches Album geworden. Ballad Of R&J ging Greta Kline sogar so nahe, dass es der einzige Song wurde, auf dem sie den Refrain [nicht selber singt, wie sie in einem Interview mit Pitchfork erzählte. Trotzdem lässt sich Frankies Cosmos davon nicht abschrecken und bleibt immer ehrlich. Der Songtext von Being Alive fasst diese Einstellung wohl am besten zusammen: „Being alive matters quite a bit / Even when you feel like shit“.

Das einzige, was Frankie Cosmos drittes Werk vielleicht noch einen Ticken runder gemacht hätte, wären ein paar längere Songs gewesen. Manche der Tracks enden nämlich schon nach weniger als einer Minute. Zusammen mit den teilweise sehr kurzen Songtexten lässt das Vessel ein wenig zu sprunghaft wirken. Das ist aber auch Meckern auf hohem Niveau.

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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