Florence + The Machine - High As Hope

Mittlerweile sind neun Jahre vergangen, seit Florence + The Machine ihr Debütalbum Lungs herausgebracht haben und damit meinem 13-jährigen Ich einen bis dahin fremden musikalischen Horizont eröffnet haben. Auf Lungs generierten Florence + The Machine durch die Melange von Folk-Pop und Barock-Pop eine Dynamik, die im populärkulturellen Genre ihres Gleichen suchte. Zusätzlich kreiert Florence Welch in den langen Wallekleidern und ihrem mystischen Auftreten eine ganz individuelle Aura, die seit jeher nicht nur für mich eine Inspiration darstellt.

Ende Juni meldeten sich Florence + The Machine mit ihrem vierten Studioalbum zurück, und wie schon 2012 kann man sich auch diesmal vor Augen führen, wie Florence Welch samt riesigem Orchester die Songs auf High As Hope live in der Royal Albert Hall performt. Viel hat sich soundmäßig bei Florence + The Machine seit dem Debüt nämlich nicht geändert. So werden die Klangstrukturen auf High As Hope von energetischen Trommelwirbeln, Orgelklängen und seichtem Harfenspiel dominiert. Doch im Vergleich zu den Vorgängeralben, fällt die instrumentale Untermalung der Songs auf High As Hope, zumindest in ihrer ersten Hälfte um einiges minimaler aus. So bahnen sich Songs wie June, South London Forever und No Choir eher unscheinbar an und gewinnen erst zum Ende hin durch den lautstarken Einsatz von vielschichtigen, instrumentalen Arrangements die für die Band auszeichnende Lebhaftigkeit.       

Florence Welch hat schon immer den Eindruck einer äußerst sensiblen und affektiven Persönlichkeit erweckt. Dank ihrer Einfühlsamkeit gelang es der 31-Jährigen bei ihren Bühnenauftritten immer das Publikum in ihren Bann zu ziehen und mit ihrer unvergleichlichen Attitüde zu verzaubern. Doch gerade diese Sensibilität wurde Florence Welch in den letzten Jahren auch zum Verhängnis und führte letztendlich zum übermäßigen Alkoholkonsum und Erschöpfung. Rückblickend bezeichnet die Sängerin ihr letztes Album How Big, How Blue, How Beautiful, welches 2015 erschien, als Rettung aus dieser düsteren Zeit, in der selbst die Musik Welch keine Freude mehr bereitet hat. Dies schlug sich auch im Sound des Albums nieder: so war  How Big, How Blue, How Beautiful mit der eher düsteren Aufmachung und einem generischen Klangbild ein Einschnitt in die bisherige Ästhetik der Band.

Nun drei Jahre danach erscheint High As Hope, wie schon der monumentale Titel andeuten mag, wie eine Rückbesinnung der Sängerin. Hunger ist der obligatorische Liebes-Song, welcher nicht wie sonst vom Verliebt-Sein oder Herzschmerz handelt, sondern die langwierige Suche nach der wahren Liebe thematisiert. Grace ist der elegischste Song auf High As Hope, den Florence Welch ihrer jüngeren Schwester als Zeichen der Reue widmet. Patricia hingegen überzeugt von Anfang an durch seine Dynamik und ist eine Ode an Patti Smith, deren Lyrik Florence Welch bei der Arbeit an High As Hope beeinflusst hat. South London Forever besticht wiederum durch sein märchenhaftes Intro und den engelsgleichen Gesang und ist eine Rückkehr in die Jugendzeit der Sängerin. Big God versprüht die meiste Mystik auf dem Album und hat dank der Orgel-Dominanz auf instrumentaler Ebene und Welch dramatischem Gesang etwas theatralisches.

Auf High As Hope vereinen Florence + The Machine altbewehrte Soundelemente, wie den Einsatz von Orchestern und Chören, mit einer dennoch innovativen Machart der Musik, die man sonst von den Frühwerken der Band gewohnt ist. Auch wenn die Band sich auf ihrem neuesten Album musikalisch nicht neu erfunden hat, so klingt High As Hope noch näher und persönlicher, als seine Vorgänger.

(Isabela Przywara, CT das radio)

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