Cover: Coves - Soft Friday

Einem Konzeptalbum über das Ver- und Entlieben steht man grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Beck Wood macht genau das und verarbeitet auf zehn Songs ihre Ex-Beziehung. Doch was die Band Coves auf ihrem Debüt „Soft Friday“ vorlegt, ist einfach nur charmant unaufdringlicher Indiepop geworden. „It is easy to fall in love“, singt Sängerin Wood auf dem Opener „Out Of Love“ zu sattem Indierock. Ganz im Wissen, dass die Phase des Entliebens natürlich viel schwieriger ist. Die folgenden Songs wagen diese Thematik aber, ohne dabei jedoch in den bei dieser Thematik gewohnt kitschig verzerrten Herzschmerz-Modus zu geraten.

Das liegt zum einen an der versierten Instrumentierung, die ganz in der UK-Gitarrentradition steht und vor allem die konservativeren Hörer sicher erfreuen dürfte. Man hört: Shoegaze-Gitarren, ganz viel Percussion und nicht zuletzt viel klassischen Psychedelic, für dessen Renaissance in der UK zuletzt die Temples verantwortlich waren. Das sorgt für verträumt mäandernde Songs, die ein wenig ins Leere driften wie etwa das mit Quietsch-Synthies versehene „Last Desire“ oder kraftvollere Stücke wie eine der Singles, „Cast A Shadow“, auch hier mit charakteristischem Tambourine-Einsatz, ohne dabei jedoch allzu nostalgisch zu klingen. Diese Retro-Affinität gab es natürlich in verwandter Form auch etwa bei Veronica Falls, doch das ändert nichts daran, dass das eingespielte Duo (!) hier zehn melodisch ausgefeilte Stücke vorlegt.

Zum anderen wirkt „Soft Friday“ angenehm unprätentiös, weil Beck Wood stimmlich keinen Seelenstriptease evoziert. Ihre Vocals legen sich vielmehr auf die Melodiebögen, als zu beanspruchen, diese dirigieren zu wollen. Das kann man jetzt als lazy einstufen, wie das Promo-Sheet als Nicoesken Gesangstil (wobei The Velvet Underground da unsauberer und Sängerin Nicos Betonung viel gewollter klangen als die eher Zurückhaltungs-Ästhetik der Coves) oder einfach als clevere Stilistik verbuchen, die auf diese Weise eine unmittelbare Intensität der immer noch schmerzerfüllten Lyrics verhindert. Letzteres ist am plausibelsten, auch wenn die Coves sich bei Stücken wie „Fool for your Face“, bei dem John Ridgard nicht nur in den Backing-Vocals mitsingt bzw. –haucht,  von allem Garage-Rock-Überbau ganz reduktiv auch mal entblößt. Am Ende fragt man sich aber: Worum ging es nochmal? Ach ja, die zerrüttete Ex-Beziehung, fast vergessen.

Deswegen könnte die Band als Pendant zu den kitschigeren Girl-Boy-Fraktionen (Angus & Julia Stone beispielsweise oder auch das akustische Big-Deal-Debüt; zum zweiten bestehen hingegen deutliche Parallelen) durchgehen. Und als Beleg dafür, dass es nicht immer sprengender Innovationskraft bedarf, um einen guten Popsong zu schreiben. Und wenn sich bei Beck Wood dann kurz vor Schluss in „Wake Up“ auch noch ein wenig Aufbegehren in die Trauerblase mischt, ist man schon gespannt, wie die Coves nach überstandenem Trauerschmerz oder gar im Liebesglück klingen könnten. (Philipp Kressmann, CT das radio)

RÜCKSCHAU

KW 07/2020
Blond Martini Sprite
KW 05/2020
Moon Hooch Life on other Planets
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The Big Moon Walking Like We Do
KW 51/2019
Cover Digitalism - JPEG
Digitalism JPEG
KW 41/2019
Angel Olsen All Mirrors

ARCHIV

WOCHE Künstler/Band NAME DES ALBUMS/SONGS MUSIKLABEL
KW 07/2020 Blond Martini Sprite Beton Klunker Tonträger (Rough Trade)
KW 05/2020 Moon Hooch Life on other Planets Megaforce (H'Art)
KW 03/2020 The Big Moon Walking Like We Do Fiction / Caroline International
KW 51/2019 Digitalism JPEG Magnetism
KW 41/2019 Angel Olsen All Mirrors Jagjaguwar / Cargo
KW 37/2019 IDER Emotional Education Glassnote Records
KW 31/2019 Nérija Blume Domino
KW 29/2019 Blood Orange Angel's Pulse Domino Records
KW 27/2019 Tyler The Creator Igor Columbia
KW 24/2019 Kate Tempest The Book Of Traps and Lessons Caroline