Car Seat Headrest - Twin Fantasy (Face To Face)

Ein Blick in das alte Tagebuch stellt für viele Menschen irgendwas zwischen einer sentimentalen Reise in die eigene Vergangenheit und konstantem Selbstschämen dar. Habe ich das mit fünfzehn wirklich gedacht? Und dann auch noch aufgeschrieben? Solche Gedanken dürften auch Will Toledo, dem Sänger und Songschreiber von Car Seat Headrest durch den Kopf gegangen sein, als er sein 2011 erschienenes Album Twin Fantasy (Mirror To Mirror) zur Neuveröffentlichung überarbeitet hat.

In diesen sieben Jahren hat sich für den mittlerweile 26-Jährigen viel verändert. Car Seat Headrest begann gezwungenermaßen als vollkommenes Lo-Fi-Projekt, da die Songs anfänglich auf dem Rücksitz seines Autos aufgenommen wurden. Daher auch der skurrile Name. Heutzutage müssen Car Seat Headrest nicht mehr auf eine professionelle Produktion verzichten. Das hört man auch auf dem überarbeiteten Twin Fantasy (Face To Face). Der Sound ist jetzt deutlich klarer und so kann Will Toledos Stimme viel besser zur Geltung kommen. Sie ist eindeutig das Highlight des Albums, auf Songs wie My Boy klingt sie zuerst kratzig und leise, als wäre Toledo gerade nach einer durchfeierten Nacht aufgewacht, um sich direkt danach so anzuhören wie Bon Iver. Auf Cute Thing wiederum schreit er sich im Refrain die Seele aus dem Leib. Authentisch bleibt er dabei immer.

Außer der Klangqualität haben Car Seat Headrest nur wenig am Originalwerk verändert. Cute Thing bezieht sich in seinen Lyrics nicht mehr auf Dan Bejar und John Entwistle, sondern auf Frank Ocean und James Brown, wohl auch, um Toledos aktuellen Musikgeschmack wiederzugeben. Dank der Nähe zur Urfassung bekommt man einen Einblick in die Gedankenwelt vom Teenager Will rund um komplizierte Beziehungen, der Abneigung gegenüber Gras (Stop Smoking We Love You) und einer Zeit, in der er Alkohol von seinen Eltern stehlen musste, weil er noch nicht 21 war (Bodys).

Das einzige, was auf dieser Nostalgietour in Toledos und wohlmöglich auch in die eigene Vergangenheit stört, ist die Entscheidung, die zwei längsten Songs des Albums (Beach Life-In-Death und Famous Prophets(Stars)) auf fast eine halbe Stunde zu strecken. Ihnen fehlt es ein wenig an Spannung, um diesen Schritt zu rechtfertigen.

Trotzdem dürfte es Car Seat Headrest mit dem aufpolierten Twin Fantasy (Face To Face) gelingen, über dessen bereits vorhandenen Kultstatus bei Lo-Fi-Fans hinaus auch noch breitere Massen zu erreichen. Teenager waren wir schließlich alle einmal.

(Jacqueline Winkler, CampusFM)

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