Jo Goes Hunting - Come, Future

Wir sollten viel öfter in kleine Bars und Cafés gehen. Dann wäre uns Jimmi Jo Hueting wohl schon eher begegnet. In seiner Heimatstadt Nijmegen organisiert er seit er 18 Jahre alt ist Jam-Sessions in winzigen Lokalen. Neun Jahre später erscheint sein Debütalbum Come, Future.

So ganz richtig ist das aber gar nicht. Come, Future ist das Debütalbum von Jo Goes Hunting. So heißt Huetings Band, mit der er Indiepop aufnimmt; zuvor hat er in anderen Gruppen Jazzalben produziert. Come, Future erscheint auch nur hierzulande Ende März. In den Niederlanden ist die Platte schon seit einem Jahr raus.

Come, Future startet mit dem Ticken einer Uhr. Dann singt Hueting, und der Refrain „I just gotta let it out“ bleibt sofort im Ohr hängen. Plötzlich wechselt das Tempo in eine sphärische Atmosphäre, limitierte Gitarren und Hueting fährt auch den Gesang runter – zum Ende vollzieht er auf Winner wieder den Wechsel zurück. Auf I Don’t Mind beweist der gelernte Schlagzeuger – ja, Hueting hat am Königlichen Konservatorium in Den Haag Jazz-Schlagzeug studiert – dass er auch richtig gut singen kann. Dazu spielt die fünfköpfige Band einen Sound, der stark an die Arctic Monkeys erinnert. Im dritten Track packen Jo Goes Hunting die Synthies aus: Confusion klingt sehr poppig, ein bisschen nach 90er-Rollschuh-Disco.

Bewertet man Come, Future nur an den ersten drei Songs, ist es ein tolles Werk. Drei Tracks, ziemlich unterschiedlich, verspielt und abwechslungsreich. Allerdings wird diese Verspieltheit Jo Goes Hunting im weiteren Verlauf fast ein bisschen zum Verhängnis. In Hell Of Mine singen Teile der Band mit gepitchter Stimme. Der Song My Mind kommt punkig daher, und versucht mit absichtlich falsch gespielten Tönen, einen gewissen Dilettantismus heraushängen zu lassen. Mal spricht Hueting mit tiefer Stimme, ein bisschen wie Ghostpoet; mal klingt seine Band wie die belgischen Kollegen von Balthazar. Das ist wirklich abwechslungsreich, jeder Song klingt anders. Das macht es aber auch schwer, der Band zu folgen. Ein Beispiel heißt Lost & Found. Das Intro klingt nach technischem House: Drumsticks schlagen auf Gegenstände wie Platten oder Glasflaschen. Das setzt sich fort und dazu mischen sich noch schwere Bässe. Der Refrain des Songs klingt dann allerdings cheesy und poppig, dadurch geht der experimentelle Sound verloren.

In Jam-Sessions werden ganz viele Einflüsse zu einem Werk gegossen. Dadurch lassen sich vielleicht die Variationen auf Come, Future erklären. Wer aber das Debüt von Jo Goes Hunting am Stück durchhört, dem könnte es ein bisschen zu viel werden. Dafür sind die Songs einfach zu eigenständig. Deshalb: Jo Goes Hunting ist ein großartiges Projekt, wenn es dem Körper richtig dosiert zugeführt wird. Fragen Sie ihren niederländischen Arzt oder Apotheker.

(Julian Beyer, eldoradio*)

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