Beach Slang - The Things We Do To Find People Who Feel Like Us

Manchmal können neue Platten so unfassbar enttäuschend sein. Da veröffentlichten Beach Slang in diesem Frühjahr das erste Mal eine Langspielplatte, ganze 8 Tracks – und was war? Das Ding war voll mit den geilsten Songs, die diese Band jemals geschrieben hat. Nur leider kannte man die alle schon von vorhergehenden EPs, Splits und kleinen Veröffentlichungen. Jetzt ist es also soweit: Mit „The Things We Do To Find People Who Feel Like Us“ ist das erste, echte Debüt-Album der Filter-Verliebten Punker aus Philadelphia da – und das Ding kann sich hören lassen.

Mit 26 Minuten Spielzeit auf „The Things We Do...“ können sich Beach Slang ein kurzes High-Five mit Bands wie den Thermals oder Come Back Kid zuwerfen. Brettern und Filtern ist die Devise, gerade mal die erste Single „Bad Art and Weirdo Ideas“ knackt die drei Minuten Marke. Die ist dafür auch ein wunderbarer Vorbote. Ultra melodisch und zurückgelehnt wechselt der Song zwischen gradlinigem Geschrei und dahinschwebenden Backing-Vocals zu kaum verständlichem Sprechgesang, der dank überlagerndem Krach der Becken und glockenheller Gitarrenmelodie irgendwo weit weg im Raum zu verschwinden scheint. „We are aloud to be alive“ ist die Zeile, die Sänger James Alex nach zweieinhalb Minuten wie die zentrale Erkenntnis in den Raum stellt, um den Song dann mit einem Goo Goo Dolls-ähnlichen „Totototoototooo“ ausklingen zu lassen. Und tatsächlich: Das ist das Gefühl, das das Debüt-Album von Beach Slang vermittelt.

Es geht darum jung zu sein, aber nicht mehr jung genug, um sich frei von jeglicher Verantwortung zu fühlen. Es geht darum, Chancen verpasst zu haben („Too late to die young“) und nicht immer gesagt zu haben, was man denkt : „Most oft he words get stuck in my mouth, but i mean all the ones that punched their way out” („Noisy Heaven“). Diese zerschmetternden Erkenntnisse von 30-somethings aus dem Mittelstand  trauen sich Beach Slang in “Too late to die young” sogar super kitschig mit Geigen zu unterlegen, den Schmerz bis zuletzt auszukosten. Diese schmähige Down-Tempo-Nummer bringt es so natürlich auf den Punkt, ist aber auch wirklich nur noch alleine im stillen Kämmerlein mit einer Pulle Alkohol und triefendem Selbstmitleid zu ertragen.

Der Schmerz darüber, dass nach dem High sein immer das runter kommen folgt und dass die Dinge sich dann wieder genauso anfühlen wie früher, wird in „Ride The Wild Haze“ zu einem wunderbar düsteren Brett umgeformt. Der Song fällt aus dem sonst etwas zu oft bemühten Vier-Vierteltakt heraus und setzt Beach Slangs Parade Disziplinen in der richtigen Mischung ein: Den Song immer wieder abbremsen, Luft holen lassen, damit er so richtig losbrettern kann und dann eine Zeile („Get High Enough to feel alive“) wiederholen, bis auch der Letzte es kapiert hat. Wunderbar melancholisch und düster.

Auch die restlichen 23einhalb Minuten sind wie gemacht für Beach Slangs kommende Welt-Tournee. Man will sie sich in verschwitzten kleinen Kellern mit 50 anderen Kehlen entgegen schmettern. Dabei ist die neue Platte inhaltlich wie musikalisch so nah dran an den Vorgänger-EPs, dass nach jedem Luftholen die alte Zeile aus „American Girls and French Kisses“ kommen könnte: „It’s a friday night and I‘m in the basement, screaming out my lungs with my best friends.“ (Nele Posthausen | eldoradio*)

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