Cover: Adrian Younge - Something About April

Woran erkennen Musiker, welchen Einfluss sie auf die Musikwelt haben? Abseits der Anzahl der verkauften Platten oder der Youtube-Akustik-Coverversionen gibt es gerade für Produzenten einen wichtigen Indikator: Wie oft wird meine Musik als Sample verwendet? Adrian Younge ist Produzent, schreibt und arrangiert Musikstücke und spielt sie als Multiinstrumentalist selbst ein. Seine Beats und Breaks wurden von Größen wie Jay-Z, 50 Cent und DJ Premier gesamplet – sein Gespür für analoges Recording zahlt sich also aus. Nun erscheint Something About April II, der Nachfolger zum von Kritikern und Fans gefeierten Adrian Younge presens Venice Dawn: Something About April, das bereits 2012 veröffentlicht wurde. Gekonnt übernimmt Younge alles, was am Vorgänger gut war und legt nochmal kräftig zu.

Something about April II bewegt sich – typisch für Younge – im Bereich des old-schooligen Souls der 70er Jahre, fügt dem amerikanischem Genre noch einen Hauch klassisches, europäisches Kino hinzu. Als kreativer Erschaffer neuer Klänge gefeiert, bettet Younge diese in den bekannten Soul-Sound ein, als wäre es immer schon da gewesen. Der Track Hear My Love etwa kombiniert schmutzige Drumbeats mit merkwürdigen Wabern, das an Sci-Fi-Filme aus Schwarz-Weiß-Zeiten erinnert, und legt mal eben ein Cembalo drunter. Hier ist außerdem mit der Sängerin Karolina einer von vielen eindringlichen Gastauftritten zu hören. Beim tragenden Step Beyond begegnen sich Laetitia Sadier, bekannt als Sängerin der Band Stereolab, und der profilierte Bilal im wunderschönen Duett, während sich Loren Oden mit fantastischer Präzision und ganz viel Soul durch Sandrine und die Vorabsingle Sittin‘ By The Radio singt.

Zwischendurch lässt Younge auch einfach nur die Musik für sich sprechen, und man versteht, warum er als moderner Ennio Morricone bezeichnet wird: Sea Motel fühlt sich an wie der Soundtrack zu einem alten italienischen Film, während Psalms sich mit verzerrten E-Bass und abgehackten Synthesizern auch in einem Film von Guy Ritchie nicht fehl am Platz wäre. Dass Younge auch als Produzent eine gute Figur macht, hört man in jedem der 13 Stücke auf Something About April II: Jeder Song ist klar und prägnant abgemischt, ohne durchproduziert oder gar steril zu wirken. Hier zeigt sich die Stärke in Younges analogem Aufnahmeansatz – seine Stücke zeugen von Gewicht, wie eine alte Schallplatte, und fühlen sich nicht wie eine luftige MP3 an.

Adrian Younge zeigt mit Something About April II, dass Old School nicht unbedingt mit Hipstertum oder der gefährlichen Nostalgiebrille einhergeht, und dass das Alte sich nicht dem Neuen verschließen darf. Während das Analoge für das Alte steht, sorgen seine kreativen Klänge und Songstrukturen für ein frisches, unverbrauchtes Gefühl, dass nicht nur dem Genre, sondern auch Popmusik generell gut zu Gesicht steht. (Sebastian Seifert | CampusFM)

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