Subtiler Deutsch-Rap von Trettmann

Do it Yourself, was nach Facebook-Kochvideos und Handwerk-Tutorials klingt, ist Trettmanns neues Album: DIY. Trettmann, aka Ronny Trettmann, der 44-Jährige aus Leipzig. Der Typ also, der viele Jahre Reggaeton gemacht hat, und nun sein Rap-Debütalbum dropped. Klingt Gott sei Dank nicht nach Despacito, stattdessen passt bei DIY verdammt viel zusammen. 

Das Berliner Label Kitschkrieg musste auch diesmal wieder herhalten. Bereits drei EPs hat Trettmann dort aufgenommen - und das hört man. Trettmann und Kitschkrieg haben ihren Stil gefunden. Die Beats sind sehr liebevoll produziert, die Songs gut aufeinander abgestimmt und der Sound ist extrem jung. Der Leipziger rappt auf DIY sehr melancholisch: über Frauen, über einen Freund, der es nie aus dem Plattenbau geschafft hat und über seine Heimat den Osten beziehungsweise Leipzig.

Die Songs auf DIY sind oft ein bisschen kitschig, wie etwa New York, wenn Trettmann singt: „Mir gings noch nie besser, fühl kein Schmerz, tättowier mir ein Messer direkt unters Herz.“ Aber: Der Sound ist nicht typisch für den aktuellen Deutschrap ist, sondern besser. Deshalb drängt er u.a. mit seinen Songs Billie Holiday und Grauer Beton in eine Nische, weil er soundtechnisch etwas geschaffen hat, das es zumindest in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt.

Die Beats dröhnen beim Hören nicht entgegen, sondern nisten sich durch puren Minimalismus im Gehörgang ein. Besonders auf New York braucht Trettmann nur wenige Elemente: Gitarre, Piano und Xylophon. Und wenn er das tut, was Rapper eben so tun, nämlich sich zu profilieren, dann macht Trettmann das äußerst subtil. "Das erste Mal im Plus - Jahresende", rappt er auf Knöcheltief, dem Partytrack des Albums, und versäumt gleichzeitig, seinen Fuhrpark aufzuzählen und die Scheine zu schmeissen. Damit springt Ronny Trettmann nicht auf den aktuellen Deutsch-Rap-Zug auf, sondern klinkt sich aus und fährt ein anderes Gleis, das in den viel geileren Bahnhof einfährt.

(Viktor Mülleneisen, eldoradio*)

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