Podiumsdiskussion zur Landtagswahl abgesagt

Eine Podiumsdiskussion zu Landtagswahl. Dazu hatte das Autonome Schwulenreferat der TU eingeladen. Politikerinnen und Politiker der SPD, CDU, FDP, Grünen, Linken und AfD sollten passend zur NRW-Landtagswahl im kommenden Mai ihre Ansichten über Bildungspolitik und Homo-Ehe vorstellen. Dazu kam es aber erst gar nicht, das Schwulenreferat musste die Veranstaltung absagen. Denn schon vor der Diskussion kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten. Beide Lager warteten im Emil-Figge 50 auf den Einlass in den Hörsaal. Es kam zu Rangeleien. Die wurde von der Security recht schnell aufgelöst. Laut Polizei, die zwar auch da war, aber erst nach einiger Zeit mit mehr Beamten, wurde dabei niemand verletzt.

Linke besetzen die Sitzplätze der Rechten

Um die Lage bei der Podiumsdiskussion zu entschärfen, hatten sich das Schwulenreferat und die Polizei für eine getrennte Sitzordnung der beiden Lager entschieden: Die Rechten, darunter auch bekannte Dortmunder Neonazis, sollten nach den Linken in den Hörsaal kommen und sich in einen abgetrennten Bereich setzen. Das ließen die Linken aber nicht zu. Sie besetzten die für die Rechten vorgesehenen Sitzplätze. Mit Parolen wie „Nazis raus“ und „Nationalismus raus aus den Köpfen“ protestierten sie gegen eine Teilnahme der Rechten an der Diskussion. Das Autonome Schwulenreferat bat die Linken mehrfach, diese Plätze zu verlassen, damit die Diskussion starten konnte. Die Demonstranten riefen, pfiffen und weigerten sich, die Sitzplätze freizugeben.

Einzige Konsequenz: Diskussion absagen

Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Veranstaltung bereits um anderthalb Stunden verzögert. Geplanter Beginn war ursprünglich um 19 Uhr. Das Schwulenreferat sagte  die Diskussion schließlich ganz ab. Es sei einfach keine politische Debatte möglich gewesen, sagte Cordt von Egidy vom Autonomen Schwulenreferat. So mussten die Politiker und die rund 200 Zuschauer den Hörsaal wieder verlassen, bevor die Diskussion überhaupt gestartet war. Die Möglichkeit, die Diskussion ohne die Rechten stattfinden zu lassen, bestand für das Schwulenreferat nicht. Warum die Veranstalter so entschieden haben, hat uns Cordt von Egidy im Interview erklärt:

Autor: Linus Busch  Ressort: Wort  Sendung: Vitamin e*

03.02.2017 /

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Die AfD muss sich beteiligen dürfen

Viele Studenten waren gegen eine Teilnahme der AfD an der Diskussion, deshalb hatte das Autonome Schwulenreferat schon mit Widerstand gerechnet. „Wir wollen damit ein realistisches Bild von der Politik in den kommenden Landtagswahlen wiederspiegeln“, so Cordt vom Schwulenreferat. Deshalb hatten sie auch Matthias Helferich von der AfD eingeladen. Auch SPD-Landtagsabgeordnete Nadja Lüders findet es richtig, die AfD in politische Debatte einzubeziehen: Nur so könnte man zeigen, dass die Partei keine „Alternative für Deutschland ist, sondern nur gegen alles Bestehende protestiert ohne eine Zukunftsperspektive zu zeigen“, sagte Lüders.

Die Politiker hatten Verständnis für die Absage der Veranstaltung, eine politische Debatte sei an dem Abend nicht mehr möglich gewesen. Die Politiker der Grünen und Linken dankten den linken Demonstranten nach der Veranstaltung über die sozialen Netzwerke – sie selbst wollten den Rechten auch nicht die Chance geben, mitzudiskutieren. SPD-Landtagsabgeordnete Lüders kritisiert jedoch die Organisation an dem Abend: Eine Veranstaltung mit der AfD müsse besser vorbereitet sein, sagte sie.

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