Neues von Warhaus ...und Balthazar

Der große dünne mit der tiefen rauchigen Stimme. Das ist Maarten Devoldere. Warum diese Beschreibung? Er ist einer der beiden Sänger der belgischen Indie-Pop-Band Balthazar. Aber auch solo läuft’s. Mitte Oktober erschien sein zweites Album, das genauso heißt wie sein Solo-Projekt: Warhaus.

Brav zahlt er seinen Glühwein. So bekannt ist er dann wohl doch nicht bzw. möchte nicht so dreist als der Künstler rüberkommen, der für seine Drinks nicht zu zahlen braucht. Maarten Devoldere ist zum Interview vor seinem Auftritt in der Pauluskriche beim Way Back When 2017 gewohnt stilvoll gekleidet mit langem Mantel. Und dunkel. In grau und schwarz. „Ich bin nicht wirklich religiös“, sagt er. „Aber immer, wenn ich eine Kirche betrete, fühle ich diesen Respekt. Es hat auf jeden Fall einen demütigenden Effekt auf mich.“
Die Zigarette auf der Bühne, die übrigens wohl nur dann dazu gehöre, wenn er schon zu viel getrunken habe, raucht er diesmal dann lieber doch draußen und verschwindet während des Sets für einige Minuten. Er lässt seine Band mal machen. Können die ruhig ein bisschen improvisieren.

So können seine Bandkollegen auch mal im Rampenlicht stehen. Immerhin ist es ja eigentlich das Solo-Projekt von Maarten, der mittlerweile schon knapp knapp anderthalb Jahre als Warhaus unterwegs ist. „Ich mag es, meine Persönlichkeit übertrieben darzustellen. Aber wenn man das in einer Band macht, gilt man schnell als aufmerksamkeitsgeil. Aber jetzt kann ich das ganz einfach machen und der narzisstische Frontmann sein. Und die Leute erwarten ja auch von mir, dass ich aufmerksamkeitsgeil bin. Alles gut.“ Im persönlichen Gespräch wirkt er ganz anders. Ruhig. Sehr ruhig. Manchmal fast schüchtern. Diesen Spagat aus Ruhe und Showman macht Maarten auch musikalisch oft und gerne.

Mit seinem Debüt-Album We Fucked A Flame Into Being im September 2016 haut er eine Platte raus, die einen in eine schummerige Bar katapultiert - mit jeder Menge Rauch natürlich. Auf der kleinen Ecke Bühne in der Ecke stehen dann Maarten und Band und präsentieren ihre düster und mysteriös bis anzüglich wirkenden Songs. So viel zum ersten Warhaus-Album. Mit LP Nummer Zwei knüpft Maarten genau an dieses Bild an. Nur diesmal braucht er nicht so lange. Während er an seinem Debüt etwa 5 Jahre lang schreibt, also auch während er noch mit Balthazar tourt, und sich für den Abschluss des Schreibprozesses das Boot von nem Kollegen leiht, um da in Ruhe weiterzutüfteln, ging’s jetzt flotter. Knapp ein Jahr liegen zwischen den beiden Alben.

Mit Freundin Sylvie Kreusch wird’s auch hier mal romantisch („Fall In Love With Me“), dann wieder verrucht. Sehr persönlich wird Maarten offensichtlich in „Kreusch“. Nicht umsonst trägt der Song den gleichen Namen wie Freundin und Background-Sängerin/Duett-Partnerin. Grundsätzlich aber bleibt der Sound und auch die Stimmung ähnlich dem Debüt. Ein knackiger Retro-Bass, geloopte Blechblas-Ausrufe von Posaune oder Trompete, ein simpel gehaltenes Drum-Set und das alles grundsätzlich alles andere als fett, schnell oder dröhnend zieht sich durch die Tracks. Es sind eher Midtempo-Songs mit Retro-Charme. Dazu gibt’s dann Maartens bassige Stimme, die sich immer wieder um die eigentliche Tonhöhe schlängelt, so dass sie ihm eine Gleichgültigkeit und dadurch irgendwie Coolness verleiht, wie man sie auch schon von Balthazar-Tracks kennt, in denen Maarten eigene Gesangs-Parts hat.

 

 

Apropos Balthazar. Auch Jinte Deprez (der kleinere mit der etwas höheren Stimme von Balthazar) ist mittlerweile solo als J. Bernardt unterwegs und musiziert auf seiner Platte „Running Days“ wesentlich elektronischer als Maarten. Dass jetzt beide Frontmänner ihre eigenen Dinger drehen, findet Maarten nur richtig. Es tut der Band quasi gut. „Wir haben knapp 13 Jahre zusammen Musik gemacht. Nach einer Weile fängt man an, zu vergessen, dass der Bandkollege echt talentiert ist. Ich brauchte es irgendwie auch, dass er selbst mit seinem eigenen Projekt auf der Bühne steht und ich im Publikum. Denn dadurch habe ich gemerkt: Fuck! Mein Compagnon de Route ist ein wirklich talentierter Motherfucker. Es ist echt cool, das nach so vielen Jahren wiederzuerkennen.“

Und wir können uns wieder auf gemeinsame Musik der beiden freuen. Diesen Winter geht’s mit Balthazar ins Studio. Im Herbst 2018 soll das neue Album fertig sein. Ob’s schon Songs gibt? „Nein. Ehrlich gesagt habe ich das zweite Album gar nicht so langfristig vorher geplant. Jede Idee, die ich über hatte, steckt jetzt im zweiten Warhaus-Album. Also muss ich jetzt von vorn anfangen. Was gut ist. Denn ich denke, wir können uns neu erfinden. Jetzt ein leeres Blatt vor uns, mit dem wir arbeiten können. Denn wir wollen uns ja nicht wiederholen. Ich fühle schon irgendwie den Druck, das ich in den nächsten Monaten was schreiben muss. Aber das ist ein gutes Gefühl. Ich mag das.“ Vielleicht geht’s dafür ja wieder aufs Boot. Mit Glühwein und Zigarette.

Hier gibt's das ganze Interview mit Maarten Devoldere im Podcast.

(Kai Brands, eldoradio*)

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